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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Kirchgemeine Worb - Pfarrteam Worb

BZ,  29. März 1986

«Predigtbesuch war nie schlecht»

Worber Pfarrer Willi Michel geht nach 40 Jahren in Pension

Morgen Ostersonntag gilt es in Worb Abschied zu nehmen: Pfarrer Willi Michel hält den letzten Gottesdienst. 40 Jahre lang wirkte er in der Gemeinde, die sich in dieser Zeit vom Dorf zum grossen Berner Vorort entwickelt hatte. Diese Entwicklung prägte auch die Arbeit des Theologen wesentlich mit.

Urs Hänni

Kartonkisten stehen bereit. Einige Teppiche sind bereits zusammengerollt. Im Pfarrhaus an der Sonneggstrasse 3 in Worb wird der Auszug vorbereitet: Annemarie und Willi Michel gehen in Pension. Vor 40 Jahren wurde Willi Michel ans Gemeindevikariat Worb gewählt. «Ich war froh, eine Stelle gefunden zu haben», erinnert er sich. Von seinen Kollegen hätte keiner das Glück gehabt, nach dem Studium an einer festen Stelle die Arbeit zu beginnen. Zusammen mit einem Pfarrer betreute er die 5000 Seelen zählende Gemeinde. Während der 40jährigen Tätigkeit von Pfarrer Michel hat sich Worb wesentlich geändert. Heute zählt die Kirchgemeinde rund 9000 Protestanten. Für die Bewältigung der stets «komplexer werdenden Arbeit» (so Michel) sind vier Pfarrstellen geschaffen worden.

«Früher kannte ich fast alle Leute. Heute begegne ich immer wieder unbekannten Gesichtern», umschreibt der abtretende Theologe die Situation. Der Pfarrer müsse gegenüber früher vermehrt die Leute zur Kirche bringen. «Der Predigtbesuch war bei uns allerdings nie schlecht.» Er habe prozentual zur Bevölkerung schon abgenommen, stellt Willi Michel fest. Aber auch die Stellung des Pfarrers hat sich geändert. Er nennt ein Beispiel: «Früher war der Pfarrer bei allen Festivitäten im Dorf in den ersten Reihen. Heute ist er ein Bürger unter vielen.»

Die Schwerpunkte in der Arbeit von Pfarrer Michel haben sich während der 40jährigen Tätigkeit ebenfalls geändert. Die ersten 20 Jahre widmete er sich der Jugendarbeit. «Wir hatten eine offene Gruppe, die sich jede Woche zu vielseitigen Tätigkeiten traf.» Beim Erzählen fallen ihm vor allem Begebenheiten aus Sommer- und Winterlagern mit den Jugendlichen ein. «Nach einem schweren Unfall hat sich das Schwergewicht in meiner Arbeit geändert», schildert Willi Michel weiter. Er engagierte sich in der Diakonie. Er setzte sich dafür ein, dass Kranke auch daheim gepflegt werden können und nicht ins Spital gehen müssen. So präsidierte er den Krankenhilfspflegeverein, der während dieser Jahre wesentlich ausgebaut wurde. Zudem ist Willi Michel Präsident der Direktion der Asyle Gottesgnad.

Die Entwicklung des Dorfes und der Wandel in der eigenen Arbeit haben den Pfarrer so lange an seiner Stelle behalten. «Ich kam nie in einen Trott», bestätigte er. Zudem sagten Willi Michel die Strukturen der Gemeinde mit den ländlichen Gebieten und dem Dorfkern (er betreute den östlichen Dorfteil sowie Enggistein, Wattenwil und Bangerten) sowie die Bevölkerung mit «intellektuell Anspruchsvollen wie mit einfach Denkenden» zu. «Diese Auseinandersetzung fand ich stets spannend», hält er fest. Diese Spannung habe ihn in dieser Gemeinde gehalten. Eines ist für Willi Michel sicher: «In einer Landgemeinde als einziger Pfarrer wäre ich nicht 40 Jahre geblieben.»

Dass Willi Michel seine Arbeit in Worb an Ostern abschliesst, hängt mit dem zu Ende gehenden Schuljahr zusammen. Doch freut es ihn, in der Zeit des «Festes des Lebens» die Tätigkeit zu beenden: «Leben in der Gemeinde war mir stets ein grosses Anliegen.»

Der Bund, 26. Oktober 1988

Worbs Kirchgemeindeversammlung wählte Eva Koschorke klar

Mehrheit für Frau Pfarrer

eps. Worb hat eine neue Pfarrerin: Mit grosser Mehrheit wählte die Kirchgemeindeversammlung Eva Koschorke als Nachfolgerin für den bereits vor Jahresfrist pensionierten Roland Lüthi.

Der Weg zu dieser Wahl war für den Kirchgemeinderat wie auch die neue Pfarrerin recht steinig und die Person von Eva Koschorke nicht unumstritten. An der Wahlversammlung selber überwogen allerdings die positiven Stimmen. Eva Koschorke ist 39jährig und Mutter von drei schulpflichtigen Kindern. Auch ihr Mann ist auf theologischem Gebiet tätig. Nachdem sie in Deutschland Theologie studiert und dreieinhalb Jahre lang daselbst als Pfarrerin gewirkt hatte, zog sie 1980 mit ihrer Familie nach Bäriswil. Während 12 Monaten hat sie in Worb bereits Dorf und Leute kennengelernt, und im September ist sie in den bernischen Kirchendienst aufgenommen worden. Das Ergebnis der geheimen Wahl lautete klar 119 Ja- zu 44 Nein-Stimmen bei 13 Enthaltungen.

Ebenfalls neu gewählt wurden Toni Grossenbacher in den Kirchgemeinderat sowie Jacqueline Tschanz-Houlmann als Sekretärin der Kirchgemeindeversammlung und des Kirchgemeinderates.

Genehmigt wurde das Budget 1989, welches einen Ausgabenüberschuss von 73 500 Franken vorsieht. Der Steuersatz bleibt bei 11% des Staatssteueraufkommens.

Der Kirchgemeinderat beabsichtigt, ab Januar 1989 den Gottesdienstbeginn in Worb und Rüfenacht einheitlich auf 9.30 Uhr festzulegen. Die Renovation von Pfarrhaus und Stöckli ist demnächst beendet. Deshalb öffnen am Sonntag, dem 27. November, im Anschluss an die Predigt, beide Gebäude ihre Tore für interessierte Besucher.

Landbote, 10. Juli 1992

Immer mehr Frauen stehen auf der Kanzel

Der Talar, das Amtskleid des Pfarrers, wird zusehends öfters von Frauen getragen. Über mögliche Gründe sprach der Berner Landbote mit drei Pfarrerinnen.

Daniel Hofer

Sonntag für Sonntag stehen Frauen auf der Kanzel und verkünden das Wort Gottes. Was einst für Aufsehen gesorgt haben mag, scheint heute alltäglich zu sein. Für Eva Koschorke, Pfarrerin in Worb, ist die Kirche ohnehin sozusagen ein Frauenbereich. Da soziale Aspekte und religiöse Offenheit, wie sie in der Kirchenarbeit zum Tragen kommen, offenbar Frauen eher entsprechen als Männern, ist es nicht erstaunlich, in den ehrenamtlichen Funktionen auch mehr Frauen als Männer vorzufinden. Wie wirkt sich aber für eine Pfarrerin in ihrer täglichen Arbeit der Umstand aus, einen offenbar gut auf die Bedürfnisse einer Frau abgestimmten Beruf auszuüben? Eva Koschorke hat das Gefühl, gerade durch ihre berufliche Zweiteilung als Pfarrerin und Hausfrau näher an die Menschen heranzukommen, beispielsweise beim Einkaufen. «Die Leute finden mich ganz normal; ich bin für sie eine Nachbarin.» Dafür geniesse sie mancherorts weniger Kredit als ein Pfarrer. «Bei uns wird eher nachgeprüft, ob etwas stimmt.»

Mütterliche Seite kommt an

Für Brigitte Bühler, Pfarrerin in Rüfenacht, ist der Erwartungsdruck bei Frauen nicht so gross wie bei ihren männlichen Kollegen. Sie empfindet deshalb grosse Chancen und Freiheiten für eine Frau. Gerade in der Seelsorge komme die «mütterliche Seite» einer Frau, sprich Pfarrerin, gut an. Einem Pfarrer falle hingegen das Reden vor Menschen offensichtlich leichter.

Frauen müssen Akzente setzen

Sind Frauen in diesem Beruf eine Antwort auf die veränderten Rahmenbedingungen der Kirche? Andrea Kindler, zurzeit Stellvertreterin im Pfarramt Münsingen, findet es wichtig, dass Frauenthemen vermehrt in die kirchliche Diskussion eingebracht werden. Feministische Theologie sei nicht bloss ein Schlagwort, das von vielen falsch verstanden werde. Es gehe nicht darum, die Frau in den Mittelpunkt zu rücken, sondern dagegen anzukämpfen, dass nur nach männlichen Wertvorstellungen Kirchenpolitik gemacht werde. Etwas, das auch für

Brigitte Bühler klar ist. «Bedenkt man, dass mindestens die Hälfte der Menschheit aus Frauen besteht, müssen wir auch in der Kirchenpolitik vermehrt Akzente setzen.»

Brigitte Bühler

dhb. Brigitte Bühler, 1955, verheiratet, Pfarrerin in Rüfenacht. Nach einem abgebrochenen Medizinstudium entschloss sie sich zum Umstieg in die Theologie. Und es stellte sich heraus, «dass dies ein Weg für mich ist». Brigitte Bühler sieht ihre Tätigkeit als den «schönsten» Beruf, weil sie die Gelegenheit habe, mit Menschen so oft in die Tiefe gehen zu können.


Eva Koschorke

dhb. Eva Koschorke, 1949, verheiratet, drei Kinder, Pfarrerin in Worb. Da bereits ihr Vater Pfarrer war, erstaunte es niemanden, als auch sie dieses Studium wählte. «Ich wollte an dem Thema Religion dranbleiben, wollte Fragen stellen und Antworten suchen.» Sie zieht aus dem Evangelium den Schluss, dass sie die sein darf, die sie ist, und trotzdem immer neu herausgefordert wird.