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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Energie, Oekologie, Umwelt

Tagwacht, 3. Dezember 1992

Freie Liste Worb.

Zwei Obstbäume gepflanzt

Die Aktion der Gemeinde Worb zur Pflanzung von Hochstammobstbäumen ist bei den Worberinnen und Worbern auf grosses Interesse gestossen. Sie haben von der Gelegenheit profitiert, Obstbäume zum Sonderpreis von 30 Franken zu beziehen. 38 Bäume haben einen Abnehmer gefunden und bereichern nun die Worber Landschaft. Auch die Mitglieder der Freien Liste Worb unterstrichen mit der Pflanzung von zwei jungen Obstbäumen in Worb und Rüfenacht, dass die Erhaltung einer wohnlichen, lebenswerten Gemeinde für sie nicht nur Wahlpropaganda und Nostalgiedenken ist, sondern dass sie Worte auch in Taten umsetzen wollen. Mit dieser Aktion ist ein Beitrag zur Erhaltung unserer Umwelt geleistet worden, ohne dass dabei das Gemeindebudget merklich belastet wurde.

Allein in der Gemeinde Worb verschwanden in den letzten 10 Jahren rund 1800 Hochstammobstbäume. Im Kanton Bern fallen jährlich 20'000 Bäume wirtschaftlichen und arbeitstechnischen Überlegungen zum Opfer und werden allenfalls durch ökologisch wenig wertvolle Niederstammanlagen ersetzt. Die verbleibenden Bestände sind aber auch durch die Bautätigkeit am Rand des Siedlungsgebiets gefährdet. Gerade hier haben diese jedoch eine wichtige Ausgleichsfunktion und sollten unbedingt erhalten bleiben. Jeder Baum trägt als Lunge der Natur dann bei, die Belastung unserer Atmosphäre mit Kohlendioxid zu verringern und filtert Staub und Russ aus unserer Luft. Er schützt vor Wind, gibt Schatten und verbessert das lokale Klima durch einen Ausgleich der Luftfeuchtigkeit. Hochstammobstbäume bieten in der Schweiz ca. 30 Vogelarten einen Brutplatz. Zudem ist das traditionelle Landschaftsbild des Kantons Bern sehr stark durch Hochstammobstbäume geprägt. Auch dieses ist als überliefertes Kulturgut erhaltenswert. Die neu gepflanzten Obstbäume leisten dazu in der Gemeinde Worb einen kleinen Beitrag. Dieser reicht nicht aus, um den beängstigenden Rückgang der Hochstammbestände aufzuhalten, ist jedoch zusammen mit den in der Ortsplanung vorgesehenen Schutzzonen ein Schritt in die richtige Richtung.

R. von Arx

BZ, 6. Januar 2000

GFL WORB

«Gemeinde soll handeln»

Die Grüne Freie Liste verlangt mit einem Vorstoss, dass die Gemeinde Worb in Sachen Energie aktiv wird.

«Energiestadt Worb»: Dieses Label wollen die Grünen der Gemeinde Worb erreichen. Darum verlangen sie vom Gemeinderat, dass jetzt in Sachen Energie gehandelt wird. Punktuelle Massnahmen wie die Solar-Warmwasseranlage im Schulhaus Rüfenacht oder einzelne begrünte Flachdächer seien zwar ein Ansatz, aber genügten nicht, schreibt die Grüne Freie Liste (GFL) Worb in einer Mitteilung. Der Verbrauch von nichterneuerbaren Energien sei zu senken, verlangt die GFL.

Die Gemeinde Worb verhalte sich in Fragen der Energienutzung und der Energiebeschaffung eher abwartend und passiv. Das stört die Grünen. Worb springe immer erst beim zweitletzten Wagen auf, um nicht das Schlusslicht tragen zu müssen. Andere Gemeinden, wie Münsingen, Ostermundigen und Langenthal aber hätten laut GFL auf der Lokomotive Platz genommen. Die GFL fordert, dass sich auch Worb dort einreiht und eine konsequente Energiepolitik betreibt.

mg/cng

Der Bund, 7. Januar 2000

WORB

Grüne wollen Label

brg. Mit einer Motion im Gemeindeparlament will die Grüne Freie Liste Worb erreichen, dass Worb «die Energiefrage bewusster und intensiver» angeht, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. Konkret verlangt die Partei, Worb solle das Label Energiestadt (der «Bund» berichtete) anstreben und die Vorgaben von Energie 2000 umsetzen. Punktuelle Massnahmen wie die Solar-Wasseranlage im Schulhaus Rüfenacht und die Begrünung einzelner Flachdächer seien zwar gute Ansätze, reichten aber nicht aus, den Verbrauch der nichterneuerbaren Energien auf ein vertretbares Mass zu senken, heisst es in der Pressemitteilung weiter.

BZ, 17. Mai 2000

WORB

«Energie ist kostbar»

Die Worber Behörden sollen in Energiefragen über die Bücher gehen. Das wollte GFL-Präsident Hans-Ulrich Steiner mit einer Motion erreichen. Anstoss dafür sollte die Bewerbung um die Labels «Energiestadt» und «Energie 2000» geben. «Energie ist ein kostbares Gut. Und ein sorgsamer Umgang mit ihr ist unsere Pflicht», begründete Steiner seinen Vorstoss.

Worb sei mit seiner Energiepolitik auf dem richtigen Weg, entgegnete Gemeinderat Ernst Hauser (SVP). Und er riet dem Parlament davon ab, die Motion zu überweisen. «Unterschätzt die Kosten nicht», mahnte er. «Wer weiss, ob wir nicht eine neue Stelle schaffen müssten.»

«Wir wollen keinen unnötigen Bürokratismus», doppelte FDP-Sprecherin Franziska Fritschy nach. «Worb braucht keine Labels, um sorgfältig mit der Energie umzugehen.» Dem hielt Hans Ulrich Joss (SP) entgegen, Ziel des Ganzen sei einzig, die Energiepolitik zu überdenken. «Eine Gesamtschau wäre sinnvoll.» Schliesslich folgte die Mehrheit des Parlaments der Argumentation von Steiner und Joss und überwies den Vorstoss in Form eines Postulat.

ger


Der Bund, 20. Mai 2000

WORB

Voller Energie

pd. Worbs Exekutive ist gebeten, die Arbeiten zum Erreichen der Labels Energiestadt und Energie 2000 in Angriff zu nehmen. Das Gemeindeparlament hat an seiner Sitzung ein Postulat von Hans-Ulrich Steiner (gfl) erheblich erklärt.

BZ, 17. Januar 20001

WORB

Dank Recycling wird aus der leeren Mineralflasche eine Faserpelzjacke

Der Infobus von Swiss Recycling hat gestern in Worb Halt gemacht. Die Sechstklässler des Schulhauses Wyden lernten beim «Recycling-Fussball», welche Abfälle sortiert und wieder verwertet werden.

Brigitte Walser

Die Worber Sechstklässler haben eine klare Vorstellung von Recycling: Philipp, zum Beispiel, angelt sich ausländische Münzen aus dem Alteisen, und Thomas verwendet Halbliterflaschen als Feldflaschen. Hannes verbindet mit Recycling seinen «Zusatzverdienst»: Er sucht Depotflaschen aus dem PET-Container heraus und bringt sie in den Laden zurück. Seine Mutter mache aus seinen alten Pyjamas Putzlappen, erklärt Tobias. Fast jedes Kind weiss etwas zum Thema beizutragen an diesem Morgen, der ganz dem Abfall und seiner Entsorgung gewidmet ist. Dem Verein Swiss Recycling gehören verschiedene Schweizer Recycling-Firmen an. Gestern machte er in der Primarschule Wyden in Worb den Auftakt zu einer Tour durch verschiedene Berner und Freiburger Schulen. Ein eigens dafür ausgebildetes Lehrerteam führte die Schülerinnen und Schüler während zwei Infostunden in das Thema Recycling ein und stellte sich gleichzeitg den Behörden und der Presse vor.

Brauchbares lernen

Für die Schulen ist der Anlass gratis: «Eine gute Art von Sponsoring», bezeichnet Lehrer Ueli Joder dieses Angebot, und auch Thomas Bucher, Leiter Umweltberatung und -erziehung des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) zeigt sich begeistert. Damit lerne man in der Schule etwas, das man tatsächlich jeden Tag brauchen könne. Recycling müsse man als zweitbeste Lösung ansehen. Denn die beste, jedoch in unserer Gesellschaft eine unrealistische Lösung sei, gar nichts wegzuwerfen.

Über die Vorteile des Recyclings waren sich die Kinder einig: «Man kann Geld sparen und der Natur nützen!» Beim Recycling-Fussball war ihr Einsatz gefordert. Die verschiedenen Gegenstände aus dem Inhalt eines Kehrichtsackes mussten im richtigen Goal, das heisst in der richtigen Sammelstelle, landen. Dieser «Sport» erwies sich als schwierig, und Spielleiterin Marianne Schwarz musste viele gelbe Karten zücken: Tetrapackungen gehören nicht in die Kartonsammlung und Ölflaschen nicht in den PET-Container.

Infobus mit Kompogas

Die Kinder konnten gleich sehen, was mit dem sortierten Abfall geschieht. Es machte ihnen Eindruck, dass ein Faserpelz einmal eine PET-Flasche war, Einkaufskörbe aus gesammelten Konservendosen gemacht werden oder eine rezyklierte Mayonnaisetube Chancen hat, als Niveadose wieder aufzutauchen. In einem zweiten Teil durften die Kinder im bunt bemalten Infobus einen Videofilm zum Thema anschauen. Sie seien darauf aufmerksam gemacht worden, dass es nicht sehr überzeuge, in einem Bus durch die Gegend zu fahren und gleichzeitig über den Erhalt von Wertstoffen zu predigen, erklärt Isabelle Marthaler, Geschäftsführerin von Swiss Recycling. Der Bus wurde umgebaut. Mit «Deine Küchenabfälle sind mein Treibstoff» ist er nun angeschrieben, und er fährt mit einem kombinierten Kompogas-Benzinmotor. Die Vermutungen der Kinder, ein solches Fahrzeug stinke weniger, kann Marthaler zwar nicht bestätigen, aber umweltfreundlicher sei er allemal. Der Strom für die Beleuchtung und das Fernsehgerät im Innern des Busses wird via Solarzellen produziert. Was das bedeutet, konnten die Kinder gleich selbst erfahren: Zum Glück schien in Worb die Sonne, denn der Speicher war nach all den Nebeltagen beinahe aufgebraucht. Und angesichts dieser Stromknappheit sahen alle ein, dass es energiefreundlicher ist, den Fernseher im Bus ganz auszuschalten, statt auf Standby zu lassen.

Der Bund, 24. April 2002

AKTIONSTAG

Worb putzt

Die Umweltkommission lädt die Bevölkerung zum Abfallsammeln ein. Als Belohnung lockt ein Mittagessen.

bas. Elf Schulklassen haben ihren Beitrag zum Aktionstag bereits geleistet: In Zeichnungen und Plakaten rufen die Schülerinnen und Schüler dazu auf, am Samstag, 25. Mai, am Vormittag beim Abfallsammeln mitzuhelfen. Initiiert habe den Anlass mit dem Slogan «Worb ab Mai Ghüder frei» die Fachkommission Umwelt, sagte Gemeinderat Peter Hubacher gestern an einer Medienorientierung. Nebst dem Verkehrsverein hälfen aber auch die verschiedenen Worber Dorfgemeinschaften mit. Ziel der Aktion sei unter anderem, die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, dass der allgemeine Wegwerf-Trend vor Worb nicht Halt mache. Nebst dem Kehrichtsammeln ist geplant, beliebte Entsorgungsmulden im Gelände mit Kies aufzufüllen. Nach getaner Arbeit erhalten die Abfallsammlerinnen und -sammler im Werkhof einen Imbiss serviert - «mit einer show-mässigen Überraschung», wie Hubacher gestern ankündigte. Wie viele Worberinnen und Worber sich am Aktionstag beteiligen werden, sei schwierig abzuschätzen, meinte er: «Wenn 50 Leute kommen, sind wir sicher zufrieden». Wer mitmachen möchte, kann sich bis am 11. Mai bei der Bauabteilung, Bärenplatz 1, 3076 Worb, anmelden. Die Anmeldung ist auch via www.worb.ch (News) möglich.

Der Bund, 5. Februar 2003

Argumente für ein Label

Gegen den Willen des Gemeinderats strebt Worb das Energiestadt-Label an

Eigentlich wollte der Worber Gemeinderat das Thema «Energiestadt» zu den Akten legen. Ihm scheint der finanzielle Aufwand für den Erwerb des Labels zu hoch. Auch wenn dieser ein wichtiger Schritt im Sinne der lokalen Agenda 21 wäre, schreibt der Gemeinderat in seinem Abklärungsbericht, seien in Worb die personellen und finanziellen Kapazitäten nicht vorhanden. Gemeinderat Ernst Hauser sprach im Rahmen einer kleinen Energie-Debatte im Grossen Gemeinderat von Worb am Montag von einem Einmalaufwand von 200'000 Franken und weiteren Kosten, die noch nicht berechenbar seien. Unterstützung erhielt die Exekutive von Ueli Brechbühl (svp): «Lieber nach Energievorbildern leben, als ein Zertifikat erlangen»; oder Hanspeter Stoll (fdp): «Labels sind primär Bürokratie».

Die Parlamentsmehrheit machte dem Ansinnen des Gemeinderats aber einen Strich durch die Rechnung. Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) bedauerte die Haltung des Gemeinderates, das Thema Energiestadt-Label nicht mehr weiterverfolgen zu wollen - wären die Voraussetzungen in Worb doch erfüllt. Es sei aus Sicht der GPK unverständlich, aufgrund von fehlenden Kapazitäten auf die Erlangung des Labels zu verzichten, sagte Bruno Wermuth (svp). Hans Ulrich Steiner (gfl) warf dem Gemeinderat vor, beim Thema Energie auf die Bremse zu stehen. Ausserdem sagten er und andere Redner, dass viele «Energiestadt»-Gemeinden mit einer 10-Prozent-Stelle die personellen Anforderungen abdecken würden. Das Parlament beschloss schliesslich, das von Hans Ulrich Steiner bereits vor zwei Jahren eingereichte Postulat zur Erlangung des Labels nicht zu den Akten zu legen. Mit 19 zu 16 Stimmen wurde der Vorstoss nicht abgeschrieben. (mic)

BZ, 5. Februar 2003

«ENERGIESTADT» WORB

Parlament will das Label

Worb bemüht sich um eine sinnvolle Energiepolitik und setzt sich konkrete Ziele: das Label «Energiestadt».

Helena Jansen

Das Worber Parlament will eine vernünftige Umweltpolitik und einen sparsamen Umgang mit Energie: Die Orientierung am Label «Energiestadt» soll verhindern, dass es dabei bei leeren Worten bleibt. Das Parlament entschied sich am Montag für einen entsprechenden Antrag der Geschäftsprüfungskommission.

Im Grundsatz einig

Das Qualitätslabel «Energiestadt» erhalten Gemeinden, die ausgesuchte energiepolitische Massnahmen realisieren. Das Zertifikat verpflichtet Worberinnen und Worber zu einem haushälterischen Umgang mit Energie und einer nachhaltigen Umweltpolitik - Grundsätze, gegen die am Montag auch Kritiker des Labels nichts einzuwenden hatten. «Politischen Zündstoff» berge jedoch der damit verbundene finanzielle Aufwand, warnte Gemeinderat Ernst Hauser (SVP).

«Geld für ein Stück Papier»

«Für diese Aktion brauchen wir mehr Personal», sagte Hauser. Es sei zudem mit einmaligen Kosten von 200'000 Franken zu rechnen. «Viel Geld für ein schön gerahmtes Zertifikat», kritisierte Hauser weiter. Sein Fazit: «Wir können auch Energie sparen, ohne für unnötiges Papier Geld auszugeben.»

Völlig willkürlich sei der genannte Kostenvoranschlag, kritisierte dagegen Jürg Kaufmann (SP) die Rechnung seines Vorredners. Er sei überzeugt, dass Worb über genügend Personal verfüge. Ähnlich argumentierte Hans Ulrich Steiner (GFL): «Der Aufwand für das Label beträgt in anderen Gemeinden nur zwischen fünf und zehn Stellenprozent.» Bereits im Januar 2000 hatte sich Steiner für die Aktionen «Energiestadt» Worb und «Energie 2000» stark gemacht und dem Gemeinderat eine Motion überreicht.

Dem gemeinderätlichen Vorschlag, den Vorstoss abzuschreiben, stimmte das Parlament gestern nicht zu. Mit 20 zu 16 Stimmen unterstützte die Legislative den Antrag der Geschäftsprüfungskommission: der Gemeinderat muss sich weiterhin mit dem Zertifikat auseinander setzen.

BZ, 18. Februar 2003

«ENERGIESTÄDTE» IN DER REGION BERN

«Es wirkt einfach professioneller»

Ob aus wirtschaftlichen oder aus Imagegründen: Immer mehr Gemeinden werden zu «Energiestädten». Experte Walter Kubik* erklärt, was dieses Label bringt, was es kostet und wie es erarbeitet werden muss.

Interview: Johannes Hofstetter

Herr Kubik: Was ist eine «Energiestadt»?

Walter Kubik: Eine Gemeinde, die ihre Planungs- und Bewirtschaftungssysteme im Energiebereich nach bestimmten Kriterien strukturiert, aufzeigt und durchführt. Selbstverständlich dient die Auszeichnung auch der Imagepflege.

Das klingt jetzt etwas theoretisch.

In der Praxis sieht es so aus, dass eine Gemeinde in energierelevanten Angelegenheiten die gesetzlichen Minimalanforderungen deutlich übertrifft und ihnen ein «Gesicht» gibt.

Was heisst «energierelevant?»

Damit meinen wir alles, was mit dem Bau und der Planung, der Energie-, Wasser- und Gasversorgung, mit dem Abwasser, dem Verkehr, der Öffentlichkeitsarbeit und der internen Organisation einer Gemeinde zusammenhängt.

Anders gefragt: Was hat eine Gemeinde davon, wenn sie sich «Energiestadt» nennen darf?

Sie verfügt über ein klares, modernes Erscheinungsbild, beweist ihre Umweltfreundlichkeit und wirkt nach aussen hin einfach professioneller geführt. Darüber hinaus ist sie viel unabhängiger von fossilen Brennstoffen wie Öl oder Gas. Und schliesslich wird bei vielen Gebäuden, Anlagen und Fahrzeugen auch wesentlich weniger Energie verbraucht, was sich am Ende positiv auf die Gemeindefinanzen auswirkt.

Was muss eine Gemeinde unternehmen, um das Label zu erhalten?

Erst beschliesst der Gemeinderat, den Weg zum Label «Energiestadt» einzuschlagen. Dann setzt sich die Behörde mit einem «Energiestadt»-Berater zusammen, welcher den Prozess anschliessend begleiten wird. Gemeinsam machen die Gemeinde und der Berater eine Bestandesaufnahme. In einem verbindlichen Katalog sind neunzig Massnahmen festgelegt.

Und dann?

Das Ergebnis dieser Prüfung zeigt, wie weit die Gemeinde fortgeschritten ist. Dazu gehört eine Energiebuchhaltung. Aus dieser muss hervorgehen, wo wie viel Energie verbraucht wird und welche Einsparmöglichkeiten bestehen. Wenn erst wenige Anstrengungen unternommen worden sind, muss die Gemeinde handeln und die Schwachpunkte ausmerzen. Am Ende des ganzen Prozesses findet mit einem unabhängigen Experten eine Vorprüfung statt. Die entsprechenden Resultate werden der Labelkommission vorgelegt. Diese entscheidet dann, ob die Leistungen für die Erteilung des Zertifikates genügen. Falls alles in Ordnung ist, steht einer Auszeichnung nichts mehr im Wege.

Damit ist der Fall dann abgeschlossen.

Nein, nein. In der Gemeinde wird Jahr für Jahr eine Standortbestimmung gemacht. Und drei Jahre nach der Zertifizierung wird sie nochmals auf Herz und Nieren geprüft. Im schlimmsten Fall muss die Auszeichnung dann wieder zurückgegeben werden.

Ist das schon vorgekommen?

Ja, aber nicht im Kanton Bern. Eine kleine Landgemeinde hat auf die erneute Prüfung nach drei Jahren verzichtet und das Label dadurch verloren.

Wie lange dauerts vom Wunsch, das Label zu erhalten, bis zu dessen Verleihung?

Wenn sich die Gemeinde schon vorher einigermassen um Nachhaltigkeit und Energie gekümmert hat, wird ein Jahr genügen. Falls sie praktisch bei Adam und Eva anfangen muss, kanns zwei bis drei Jahre dauern.

Was kostet die ganze Übung?

Die Prozessbegleitung und Vorprüfung kommt auf zehn- bis zwanzigtausend Franken zu stehen.

Also ist das Label «Energiestadt» auch für kleinere Dörfer erschwinglich.

Eigentlich schon. Es kommt halt ganz darauf an, wo der Gemeinderat die Prioritäten setzt. Falls sich die Gemeinde dazu entschliesst, eine «Energiestadt» werden zu wollen, kann sie sich darauf verlassen, dass sie im Erfolgsfall besser organisiert ist denn je.

Welche Konsequenzen hat das für die Steuerzahler?

Langfristig sehr positive: Erstens ist «ihre» Gemeinde als «Energiestadt» weniger abhängig von den Kapriolen des Energiemarktes und kann so viel Geld einsparen. Zweitens bietet die Gemeinde Firmen, die entsprechende Produkte anbieten - Baugeschäften, Architekturbüros oder Herstellern von Holzheizungen und Sonnenkollektoren -, ein ideales Arbeitsumfeld. Das Label «Energiestadt» ist ein solider Baustein für ein erfolgreiches Standortmarketing.

* Walter Kubik ist Fachleiter beim Wasser- und Energiewirtschaftsamt des Kantons Bern und Vorsitzender der Labelkommission von «Energiestadt».

WER IST DABEI?

Elf Berner Gemeinden zertifiziert

Das Label «Energiestadt» haben schweizweit bisher 82 Gemeinden und zwei Regionen aus 17 Kantonen erhalten. Über 1,5 Millionen Einwohner können sich also «Energiestädter» oder «Energiestädterinnen» nennen. Im Kanton Bern wurden bis heute folgende Gemeinden zertifiziert: Bern, Burgdorf, Köniz, Langenthal, Lyss, Münchenbuchsee, Münsingen, Ostermundigen, Urtenen-Schönbühl, Wohlen und Zollikofen.

Unlängst haben sich auch die Exekutiven von Moosseedorf und Worb dazu entschieden, ihre Gemeinden in absehbarer Zukunft zu «Energiestädten» zu machen.

jho

Weitere Informationen unter www.energiestadt.ch

Landbote, 9. Juni 2005

Öko-Massnahmen wurden belohnt

Die Berner Regierungsrätin Barbara Egger hat die Gemeinde Worb offiziell zur «Energiestadt» ernannt.

Marc Kipfer

«Ob Licht, Beheizung, Verkehr oder Informatik - die Verfügbarkeit von Energie bestimmt unser tägliches Leben.» Mit diesen Worten eröffnete Gemeindepräsident Peter Bernasconi das Worber Wirtschaftsapéro vom 2. Juni. Laut Bernasconi liegt die Verantwortung für die Energieversorgung bei der Gemeinde. Dabei komme es auch auf eine gewisse Vorbildfunktion an, woran sich die Gemeinde Worb halte. Ein neuerliches Beispiel dafür lieferte kürzlich der Grosse Gemeinderat, als er dem Kauf von 800'000 Kilowattstunden Ökostrom aus zertifizierten Wasserkraftwerken zustimmte. Beinahe wäre diese Strommenge sogar verdoppelt worden - ein entsprechender Antrag wurde nur knapp abgelehnt.

Konsequente Umsetzung

Als 13. Gemeinde des Kantons Bern wurde die Gemeinde Worb nun zur «Energiestadt» gekürt. Das von «Energie Schweiz» verliehene Label ist eine Auszeichnung für Gemeinden, die sich aktiv um die Schonung der natürlichen Ressourcen bemühen. Anlässlich des Worber Wirtschaftsapéros überreichte die Berner Regierungsrätin Barbara Egger der Gemeinde das Label offiziell, nachdem die Auszeichnung bereits am 8. März dieses Jahres in Kraft getreten war. Obwohl man in Worb laut verschiedenen Stimmen aus dem Gemeinderat nie speziell auf dieses Label hingearbeitet hat, wurden Energiesparmassnahmen seit längerer Zeit konsequent umgesetzt. So wurden in den letzten Jahren verschiedene Anstrengungen zur Verbesserung der Lufthygiene und zur Schonung von wertvollen Ressourcen auf dem Worber Gemeindegebiet unternommen. Eine kleine Auswahl verdeutlicht dies.

Vorbildfunktion

Die von Bernasconi gern zitierte Vorbildfunktion der Gemeinde wird in Worb in die Tat umgesetzt. Bereits im Leitbild der Gemeinde steht es klar und unmissverständlich geschrieben: Worb Dorf wird mit sämtlichen Ortschaften durch den öffentlichen Verkehr verbunden. Diese Anstrengungen der Gemeinde Worb, das bestehende ÖV-Angebot noch zu verbessern, werden ergänzt durch effiziente und Ressourcen schonende Beheizungskonzepte. Die Gemeinde geht auch hier mit gutem Beispiel voran. So wird das Bärenzentrum inklusive dem Gemeindehaus mit Holzschnitzeln geheizt. Gleiches gilt für die Schule Richigen. In der Schule Rüfenacht wird das Duschwasser mit Sonnenenergie auf die richtige Temperatur erhitzt. Die «urwaldfreundliche» Gemeindeverwaltung geht beim Einkauf von Büromaterialien auf Nummer sicher und erwirbt nur Holz und Papier aus schonender Waldwirtschaft ohne Raubbau. Die Energiestadt-Beraterin stellte weiter fest, dass Worbs Behörde engagiert und gewissenhaft bei regionalen und kantonalen Vorlagen und Strategievorlagen mitwirkt. «Eines unserer Defizite liegt darin, unsere Energiepolitik der Bevölkerung zu vermitteln», stellte Gemeinderat Peter Hubacher an einem Medienapéro im März fest. Diese und weitere Faktoren will man in Worb in den kommenden Jahren anpacken und den Umwelt- und Ressourcenschutz auf dem Gemeindegebiet damit weiter voran treiben. Worb hat erkannt, dass sich nachhaltiges Wirtschaften auszahlen kann. Barbara Egger würdigte dies mit einem Zitat des SOS-Kinderdorf-Gründers Hermann Gmeiner: Alles Grosse in unserer Welt wird nur dadurch Wirklichkeit, dass irgendwer mehr tut, als er muss.

Bantiger Post, 16. Juni 2006

Worb: Jugend-Solarprojekt

Warm duschen mit Sonnenkraft

In diesem Sommer können Sonnenanbeter und Wasserratten in der Worber Badi - je nach Wunsch - auch angenehm warm duschen. Die dazu nötige Energie liefern Sonnenkollektoren, gebaut von 14 Jugendlichen des Oberstufenzentrums Worb. Lanciert wurde das Solarprojekt von der Umweltkommission Worb, in Zusammenarbeit mit Schule und Badi. Am Mittwoch fand die offizielle Einweihung der Solardusche statt.

eps. Täglich rund 4000 Liter Duschwasser von 25 Grad Celsius können die Sonnenkollektoren in der Badi Worb im Hochsommer erzeugen. Für die angenehme Duschtemperatur sorgen Mischventile; zudem speichert ein Boiler die überschüssige Wärme. Indirekt leisten die Solarduschen einen zusätzlichen Beitrag zum Schutz der Umwelt. Wie die Erfahrung zeigt, duschen sich mehr Leute den Schmutz und die Sonnencreme vom Leib, wenn das Wasser einigermassen warm ist. «Damit kann man beträchtliche Mengen an Chemikalien einsparen», erklärt Rita Götschmann, welche verantwortlich ist für das Projekt.

Breite Unterstützung

Die Umweltkommission wolle mit dem Bau der Solardusche ein publikumswirksames Zeichen für sinnvolle Sonnenenergienutzung in der eigenen Gemeinde setzen. Immerhin, so Götschmann, sei Worb für seine zukunftsfähige Energiepolitik mit dem Label «Energiestadt» ausgezeichnet worden. Inspiriert von der solaren Warmwasserdusche im Marzilibad habe man die Zusammenarbeit mit der Worber Badi sowie dem Oberstufenzentrum gesucht und gefunden. Fazit: Die Worber Badi beteiligte sich grosszügig an den Kosten und übernahm einen Teil der Arbeit. Die Gemeinde ihrerseits leistete eine Defizitgarantie; zudem unterstützten zahlreiche SponsorInnen das Projekt.

Biegen, löten, montieren

Die Hauptrolle bei der Realisierung des Projekts spielten jene 14 Jugendlichen, die sich im Rahmen einer Themenwoche für den Bau der Solarduschen entschieden hatten. Unter der Führung der beiden Lehrkräfte Heinz Eggimann und Raphael Frei bogen die elf Knaben und drei Mädchen Kupferrohre, löteten diese auf Kupferbleche und bauten sie in selbst gezimmerte Holzkästen ein. Zum Abschluss der Arbeiten wurden die fertigen Kollektoren in der Badi auf ein Dach über der Rutschbahntreppe montiert. Die nötige fachliche Begleitung übernahm die Firma Rüegsegger Energietechnik.

Praxis statt Theorie

Reallehrer Eggimann zieht am Ende des Solarprojekts eine positive Bilanz: «Die Jugendlichen selber, aber auch die Badi-Gäste können konkret sehen und erleben, welche Arbeit geleistet wurde.» Gleichzeitig seien die jungen Leute auf sinnvolle Weise für Umweltfragen und Alternativenergien sensibilisiert worden. Für Heinz Eggimann ist es nämlich ein «himmelweiter » Unterschied, ob mittels Theorieblättern oder in der Praxis

Reales Erlebnis

Die Solarenergie sei fördernswert, findet auch Raphael Frey. Für den Worber Sekundarlehrer ermöglichte das Projekt Solardusche ausserdem, den Schülerinnen und Schülern ein reales Erlebnis zu bieten. Siebtklässlerin Eva gibt Frey recht: «Es war spannend, eins zu eins mitzuerleben, wie und ob die Anlage funktioniert.» Dass sie und ihre Kollegen gleichzeitig etwas für die Badi tun konnten, findet die 13-Jährige erst recht toll.

In Bild und Text

Die Jugendlichen haben die Solardusche nicht nur gebaut, sondern das Projekt auch mit Bildern und Texten dokumentiert. Im Rahmen der Worber Gewerbeausstellung WOXPO vom 16. bis 18. Juni werden sie den erstellten Ordner der Öffentlichkeit präsentieren und Interessierte zur Solarstromanlage in die Badi führen.

WOXPO

An diesem Wochenende - vom 16. bis 18. Juni - findet auf der Hofmatt die Worber Gewerbeausstellung WOXPO statt. Am Stand der Umweltkommission zeigen die beteiligten SchülerInnen ihre Dokumentation über das Projekt Solardusche. Ausserdem werden umfangreiche Informationen über die Nutzung der Sonnenergie angeboten. Am Samstag können Besuchende bei schönem Wetter die Kraft der Sonne bei einer Fahrt mit dem Solarlift erleben. Tipps und Auskünfte rund ums Thema Energie erteilt am Samstag (11 bis 14 Uhr und 15 bis 18 Uhr) zudem die öffentliche Energieberatung Region Bern.