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Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

«Urwaldfreundlich»

BZ, 13. März 2003

«URWALDFREUNDLICHE» GEMEINDEN

Worb und der Urwaldschutz

Worb ist eine «urwaldfreundliche Gemeinde». Seit zwei Jahren verzichtet sie bei eigenen Bauten auf Holz aus Raubbau. Kopiert wird bald nur noch auf FSC-Papier. Dafür erhält Worb nun eine Urkunde.

Barbara Spycher

Schweizweit sind laut Greenpeace und dem Bruno-Manser-Fonds 337 Gemeinden «urwaldfreundlich». Worb ist eine davon. Bei öffentlichen Bauten wird seit dem Jahr 2000 nur inländisches Holz verwendet. Für Kopierarbeiten wird demnächst auf FSC-Papier (siehe Kasten) umgestellt. Dies, weil für konventionelles, weisses Papier laut Greenpeace Urwälder kahl geschlagen werden. Ein Fünftel des Zellstoffes zur Papierherstellung sei Raubbauholz aus nordischen Wäldern. Laut Gemeindepräsident Peter Bernasconi macht Worb bei der Aktion aus ökologischen Gründen mit: «Die Gemeinde hat eine Vorbildfunktion gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. »

Neu FSC-Papier

Erst vor kurzem hat der Worber Gemeinderat eine Erklärung unterschrieben, dass Worb in Zukunft auch «urwaldfreundliches» Papier verwende. Greenpeace und der Bruno-Manser-Fonds haben diejenigen Gemeinden, welche schon länger auf Raubbauholz verzichten, auch beim Papier zur Umstellung angehalten. Bisher wurden in Worb zwei verschiedene Papiersorten verwendet: weisses und Recyclingpapier. Ab der nächsten Lieferung wird laut Gemeindeschreiber Christian Reusser nur noch auf weisses FSC-Papier gedruckt und kopiert. «Teurer ist es nicht», sagt er.

Inländisches Holz

Worb achtet schon seit 2000 auf die Verwendung von inländischem Holz. Die Bauabteilung schickt privaten Bauherren mit der Baubewilligung einen Zusatzbrief. Darin wird ihnen nahe gelegt, Holz aus tropischem oder nordischem Raubbau durch einheimisches zu ersetzen. Die Kontrolle ist laut Hochbauleiter Peter Schüpbach schwierig. «Wir können aber auf das Problem aufmerksam machen und Alternativen aufzeigen.» Anders sei es bei gemeindeeigenen Bauvorhaben. «Hier haben wir die Kontrolle.» Sie würden bei der Offerte gar nicht erst Tropenholz ausschreiben.

Dies betreffe vor allem Renovationen in den zehn Schulhäusern und acht Kindergärten. Da Naturholz für solche Zwecke heikel sei, werde sowieso selten Holz verwendet. Schwieriger ist es laut Schüpbach, für tropenholzfreies Schulmobiliar zu garantieren. Peter Schüpbach findet: «Der Verzicht auf Tropenholz ist kein Mehraufwand, wenn man sich mal dazu entschieden hat.» Dafür gibts in den nächsten Tagen eine Urkunde auf FSC-Holz.

DAS PROJEKT

Andere Gemeinden

Mittlerweile sind laut Greenpeace 337 Gemeinden in der Schweiz «urwaldfreundlich». Sie verzichten auf die Verwendung von Holz aus Raubbau und fördern den sparsamen Gebrauch von Recyclingpapier. Die Aktion wurde 1997 vom Bruno-Manser-Fonds lanciert. Heute ist es eine Aktion vom BMF und Greenpeace. Greenpeace und WWF zeichnen auch «urwaldfreundliche Schulen» aus.

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In der Region Bern machen folgende Gemeinden mit: Biglen, Guggisberg, Ittigen, Kirchlindach, Köniz, Laupen, Lohnstorf, Mühlethurnen, Münchenbuchsee, Münsingen, Muri, Ostermundigen, Wahlern, Wohlen, Worb.

SERVICETEIL

Tipps für den Holzkauf

Urwaldfreundliches Holz? Wenn Tropenholz oder nordische Hölzer, dann mit dem FSC-Label. Als Alternative Holz aus der Schweiz oder dem benachbarten Ausland.

Was ist FSC? Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in Bonn. Ihr Holzlabel FSC ist international anerkannt. Es steht für naturnahe und sozialverträgliche Waldbewirtschaftung und Holznutzung. Nicht nur Tropenholz, auch Schweizer Holz gibt es in FSC-Qualität.

Wo kriege ich FSC-Holz? Eine ausführliche Liste der Lieferanten gibts unter www.wwfwoodgroup.ch. Viele Holz- und Möbellieferanten fördern FSC-Produkte.

Wo steckt Tropenholz drin?

In Türen: Fast immer ist der Rahmen des Türblatts aus Tropenholz. Auch Fenster, Treppen und Parkett können aus Tropenholz sein.

In Möbeln: Besonders Gartenmöbel sind oft aus Tropenholz hergestellt.

In Bürobedarf: Erste FSC-Bleistifte sind auf dem Markt. Herkömmliche sind oft aus Zedernholz, das womöglich aus nicht zertifiziertem Urwald ist.

Urwaldfreundliches Papier? Recyclingpapier oder weisses FSC-Papier kaufen.

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Quelle: www.urwaldfreundlich.ch

BZ, 13. März 2003

«Weisses Papier ist halt verdächtig»

Die Aktion « Urwaldfreundliche Gemeinden» wird von Greenpeace und dem Bruno-Manser-Fonds getragen. Kuno Roth setzt sich als Projektleiter von Greenpeace für die Umsetzung ein.

Interview: Barbara Spycher

Herr Roth, stammt der Zellstoff im Schweizer Papier wirklich aus tropischen Urwäldern?

Kuno Roth: Nicht aus tropischen, aber aus dem Raubbau an nordischen Urwäldern. Laut dem Fups (Förderverein für umweltverträgliches Papier und Büroökologie Schweiz) stammt fast ein Fünftel des Papierzellstoffs aus unsauberer Produktion. Das heisst, man muss weisses Papier verdächtigen, zur Zerstörung von Urwäldern beizutragen. Garantiert urwaldfreundlich sind weisses FSC-Papier und natürlich Recyclingpapier.

Recyclingpapier mache Drucker und Kopierer kaputt. Was sagen Sie dazu?

Das ist ein Mythos. In den Achtzigerjahren war das wohl so. Doch heutzutage ist Recyclingpapier in verschiedensten Varianten und sehr guter Qualität erhältlich. Namhafte Hersteller von Kopierern und Druckern empfehlen Recyclingpapier.

Stichwort Möbel- oder Bauholz: Sollte man nicht grundsätzlich auf Tropenholz verzichten?

Nein. Denn nebst den Grosskonzernen, welche die Urwälder abholzen, ist auch die Bevölkerung dieser Länder daran beteiligt. Diese sind darauf angewiesen, mit dem Rohstoff Holz Handel zu treiben. Wenn wir ihnen sagen, sie sollen die Wälder schonend nutzen, ihnen dann aber das zertifizierte Holz nicht abkaufen, macht das keinen Sinn. Dann werden die Wälder illegal abgeholzt. FSC ist wie das Max-Havelaar-Label, nur halt für Holz. Ein Beispiel: Zertifiziertes Mahagoniholz aus Brasilien kostet 7500 Franken pro Kubikmeter, nichtzertifiziertes, also illegales, 1500 Franken.

Wie kontrollieren Sie, ob eine Gemeinde «urwaldfreundlich» ist?

Grundsätzlich handelt es sich hier um eine Selbstdeklaration. Wir setzen auf aktive Bürgerinnen und Bürger vor Ort, welche der Gemeinde auf die Finger schauen. Auch die Gemeindebehörden und ihre Fachstelle Umwelt sind verpflichtet, im Rahmen der lokalen Agenda 21 nachhaltige Massnahmen zu unterstützen. Das sagt nicht Greenpeace, das sagt der Bundesrat.

Verliert die Bezeichnung «urwaldfreundliche Gemeinde» so nicht an Glaubwürdigkeit?

Uns geht es nicht um die «Reinheit der Lehre», sondern um die Selbstverständlichkeit, etwas zu tun, wozu sich die Schweiz verpflichtet hat. Unsere Rolle als Greenpeace ist es, die Gemeinden zu aktivieren. Kontrolle bedeutet viel administrativen Aufwand. Das ist nicht unsere Aufgabe.

Welches sind die Schwierigkeiten, «urwaldfreundliche Gemeinden» zu finden?

Das Desinteresse oder das «Wir haben schon genug zu tun». Auch die Kostenfrage ist oft ein Scheinhindernis. Bei der Umstellung auf Recyclingpapier ist das kein Problem, da es nicht teurer ist als konventionelles. Werden zusätzlich Papiersparmassnahmen eingeführt, kann sogar Geld gespart werden. Der Kanton Genf spart so jährlich 200'000 Franken. FSC-Holz hingegen ist noch etwas teurer als unzertifiziertes. Ausnahmsweise kann man auch unzertifiziertes Schweizer Holz verwenden. Das ist preisgünstiger als zertifiziertes Holz, aber trotzdem urwaldfreundlich.

BZ, 9. November 2004

WORB

Greenpeace ehrt die Gemeinde

Greenpeace schenkte Worb eine Eiche. Denn Worb gehört zu den 75 «urwaldfreundlichen» Gemeinden im Kanton.

Die junge Eiche im Zentrum Sperlisacker ist gepflanzt. Ein Geschenk von Greenpeace und dem Bruno-Manser-Fonds an Worb. Der Grund: Worb soll für ihren Einsatz als «urwaldfreundliche» Gemeinde geehrt werden. Gemeindepräsident Peter Bernasconi zeigt sich erfreut: «Stellen Sie sich diesen Punkt hier in 30 Jahren vor: eine schöne Eiche in dieser schönen Landschaft.»

Ökologisches Holz

Seit bald sechs Jahren ist Worb nun «urwaldfreundlich». Will heissen: Die Gemeinde verzichtet auf Holz und Papier aus Raubbau. Stattdessen wird einheimisches Holz und Recyclingpapier verwendet. Schweizweit gelten 397 Gemeinden als «urwaldfreundlich». Im Kanton Bern sind es 75.

«Die Zerstörung der Urwälder hat globale Auswirkungen», erklärte Gemeindepräsident Bernasconi gestern an der öffentlichen Ehrung. Auswirkungen, die auch Worb zu spüren bekomme - beispielsweise durch Klimaveränderungen. «Für eine Gemeinde ist es deshalb wichtig, sich für den Regenwald zu engagieren», so Bernasconi.

Worb weibelt in Umgebung

«Wir machen aus Überzeugung an dieser Aktion mit und empfehlen anderen Gemeinden, sich ebenfalls daran zu beteiligen», sagt Bernasconi. So hat Worb bei 10 benachbarten Gemeinden mit einem Brief für die Aktion «Urwaldfreundlichkeit» geweibelt. «Ob sie mitmachen, weiss ich aber noch nicht», sagt der Worber Gemeindepräsident.

RAHEL MEILE