Wenn Kunst in Flammen aufgeht...Statt überzähliges Lotharholz verfaulen zu lassen, fertigt ein Worber Landwirt aus Holzstücken kunstvolle Finnenkerzen.Matthias Engel
Weniger als 1 Stunde«Die Idee für diese Kunstwerke stammt nicht von mir. Eine Bekannte hat mich vor rund einem Jahr dazu angeregt, doch einmal Finnenkerzen zu machen», erinnert sich Christian Bernhard. Er sei skeptisch gegenüber der Idee gewesen, ja habe damals nicht einmal gewusst, was denn Finnenkerzen überhaupt seien. «So nahm ich einfach ein paar 1-Meter-Rugel, begann daran herumzusägen», erzählt Christian Bernhard weiter. Er habe lange herumgetüftlet, wie gross die Einschnitte in das Holz denn nun sein sollten, so dass die Rugel möglichst lange brennen. Auf die Weihnachtszeit zu kam ihm dann die Idee, die Kerzen noch schöner zu gestalten und mit Figuren zu versehen, beispielsweise mit einen Stern. «Grundsätzlich benötige ich für die Bearbeitung eines Rugels 10 Minuten, das Schaffen eines Sujet dauert etwa 45 Minuten.» So entstünden beachtliche, aber halt nicht ganz exakte Werke. «Schliesslich bin ich kein Künstler, sondern Bauer. Der zeitliche Aufwand für die Anfertigung der Finnenkerzen muss sich daher in einem vernünftigen Rahmen bewegen», meint Christian Bernhard. 1. August-FeiernBisher hat der Worber Bauer ungefähr 60 Finnenkerzen verkauft, die meisten davon am Worber Weihnachtsmärit. Er hofft nun, auf den 1. August hin einige Firmenkerzen mit vaterländischen Symbolen, wie dem Schweizer Kreuz oder der berühmten Schwurhand verkaufen zu können. Sechs Stück jedenfalls hat sich die Gemeinde Worb gesichert, welche sie bei der Bundesfeier am neuen Bärenplatz aufstellen will. in Zukunft möchte er noch viel mehr experimentieren, grössere Rugel bearbeiten, andere Figuren schaffen, weitere Holzarten auf Brauchbarkeit testen. «Finnenkerzen zu sägen macht mir einfach Spass... als Hobby eben.» Christian Bernhard will so trotz beachtlicher Kunstfertigkeit nämlich in erster Linie ganz klar Bauer sein. |
WorbWillkommen auf dem HubelIm Reit- und Pensionsstall von Niklaus Bernhard haben verschiedenste Rassen und Reitweisen ihren Platz.Silvia B. Elmer
Laut des Hubel-Chefs Niklaus Bernhard liegen die Stärken des Betriebes in der artgerechten Haltung mit täglichem Auslauf, einer angepassten Fütterung jedes Tieres und der individuellen Betreuung durch ein kompetentes Team. Neben Reitstunden bis zum Brevet für Kinder und Erwachsene gibt es geführte Ausritte, auf ein gutes Echo stossen auch die Ferienkurse, wo den Kindern ausser Praxis theoretisches Wissen vermittelt wird. Mit «My Horse» haben Bernhards eine Marktlücke entdeckt: Hier, hat man die Möglichkeit, eines der Pferde als Favoriten zu wählen und für eine Monatspauschale täglich zu reiten; ausser den täglichen Ausritten werden zusätzliche Reitlektionen offeriert. Vor allem Erwachsene schätzen diese Variante, die so ein «eigenes Pferd» reiten können, ohne gleich eines anschaffen zu müssen. Einzige Bedingung: Pferd und Sattelzeug müssen korrekt und sauber abgegeben werden. Weiter werden junge Pferde ausgebildet, d.h. anlongiert, angeritten und nach der Dressurausbildung eingesprungen; das Reiten im Gelände gehört dazu. Beliebt sind auch die Rösslifahrten mit dem Gesellschaftswagen oder dem Break, gezogen von zuverlässigen Freibergern. Die SpezialisierungSeit fünf Jahren betreiben Veronika Häusler und Niklaus Bernhard Distanzrennsport bis auf internationales Niveau. Beide haben schon erfolgreich an Rennen von 30 bis 160 Kilometern teilgenommen und auch Siege errungen; heute betätigt sich der Chef vorwiegend als Coach und Sponsor. Zur Zeit stehen sieben Pferde im Training, mit denen beide aus Idealismus an den Rennen teilnehmen, da man damit kein (Preis)-Geld verdienen kann, sondern meistens eine weite Reise, verbunden mit hohen Kosten und Mühe, auf sich nehmen muss. Einsatz für die UmweltSeit der Gründung ist Niklaus Bernhard im Vorstand von «Pferd + Umwelt Amt Konolfingen», da es ihm ein wichtiges Anliegen ist, dass die Reiter rücksichtsvoll anderen «Naturgängern» begegnen, den Bodenverhältnissen angepasst reiten und keine Landschäden verursachen. In Zusammenarbeit mit den Landwirten werden Tafeln aufgestellt, damit schonungsbedürftige Wege gemieden werden und so Reitverbote verhindert werden können. Es ist Bernhards Ziel, dass sich alle «seine» Reiterinnen und Reiter dem Kodex entsprechend verhalten. Weitere Infos bei: |
Worb/RüfenachtNachruf Hans BurgerAm 18. September starb Hans Burger im Alter von 89 Jahren. Er war der letzte nebenamtliche Gemeinderatspräsident der Einwohnergemeinde Worb. Dieses Amt übte er von 1965 bis 1972 aus. Er vertrat die damalige Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei BGB (heutige SVP) in der Worber Exekutive. In der Zeit seines Präsidiums entstand aus dem ehemaligen Bauerndorf Rüfenacht der heutige vorstädtisch geprägte Siedlungskern. Hans Burger unterstützte diese Entwicklung. Später engagierte er sich sehr stark für den Bau des Kirchlichen Zentrums Sperlisacker in Rüfenacht. Bei diesem Vorhaben war er als Initiant und später als Präsident der Baukommission aktiv. Hans Burger engagierte sich auch für die neuen Worber Behördenstrukturen mit Parlament und vollamtlichem Gemeindepräsidium, die nach seinem Ausscheiden als Gemeinderatspräsident eingeführt wurden. Bis zuletzt war Hans Burger noch im Worber Vereinsleben aktiv. So war er noch Gründungspräsident des Vereins Seniorinnen und Senioren helfen Senioren und Seniorinnen VseSe. Der Gemeinderat von Worb dankt Hans Burger für sein langjähriges Wirken im Dienste der Öffentlichkeit und spricht den Angehörigen sein tiefempfundenes Beileid aus. Für den Gemeinderat Worb |
UTZIGENEin ganzes JahrhundertRosa Choffat blickt auf ein langes, bewegtes Leben zurück. Heute kann sie in Utzigen ihren 100. Geburtstag feuern
Anfang 2002 musste sie ihre Wohnung aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Heute lebt sie im Wohn- und Pflegeheim Utzigen. Sie will sich nicht beklagen: «Mir geht es gut, ich weiss, wo ich herkomme und wo ich hingehöre.» Ihre Wünsche sind bescheiden: «Ein gemütliches Leben und Frieden mit allen Menschen.» Wie sie fröhlich so alt geworden ist? «Eifach läbe! », sagt sie und lacht. vet |
MARTIN CHRISTEN"Ich wollte noch einmal etwas Neues beginnen"Martin Christen war Inland- und Nachrichtenchef bei Radio DRS. Jetzt ist er mit Leib und Seele Redaktionsleiter der Lokalzeitung «Worber Post». Martin Christen gibt der Gemeinde Worb ein Gesicht und eine Stimme - mit der «Worber Post». Christen arbeitete 30 Jahre lang in der ersten Liga der Branche: Er war Chef des Ressorts Inland und stellvertretender Chefredaktor der Schweizerischen Depeschenagentur in Bern. Ab 1988 wirkte er bei Schweizer Radio DRS als Inland-Chef, danach als Leiter der Nachrichtenredaktion. In diesen Funktionen verantwortete er die «grossen Kisten» und die aktuelle Tagesinformation für ein Millionenpublikum. Nachrichtenjournalismus beim Radio heisst: Im Stundentakt muss die Nachrichtenlage der Welt neu geordnet, bewertet und gewichtet werden. 2001 hatte Martin Christen genug. «Ich wollte noch einmal etwas Neues beginnen», sagt Martin Christen, «die Zeit war reif.» Jetzt ist Christen «Profi-Worber», Organisator von Grossanlässen, «Worbbuch-Macher», Schreiber für das regionale Internetportal Bern-Ost und eben Redaktionsleiter der «Worber Post». In 15 Ausgaben im Jahr wird berichtet über Gemeindepolitik, Sport und Kultur, Klatsch und Tratsch, die Weltreise einer jungen Worberin; dazu kommen Veranstaltungshinweise und amtliche Mitteilungen. Keine lange Zeit nach weltweiten Nachrichtennetzen, nach der journalistischen Arbeit für ein Millionenpublikum beim Radio, Martin Christen? «Überhaupt nicht, nein. Mein Publikum sind jetzt die 11'000 Worberinnen und Worber, und das sind 11'000 Expertinnen und Experten.» Das sei das Schöne im Lokaljournalismus: «Du hast ein direktes, ehrliches Feedback. Die Leserinnen und Leser können alles, was in der Zeitung steht, sofort und an Ort und Stelle nachprüfen.» Martin Christen glaubt an die Zukunft der Lokalzeitungen. «je anonymer und virtueller das Leben wird, desto grösser ist das Bedürfnis nach Heimat, nach Verwurzelung und damit auch nach Informationen über das Lokale.» Wirklich keine lange Zeit nach dem Radio? Kurze Pause, dann sagt Martin Christen bedächtig: «Manchmal etwas Nostalgie, wenn ich etwa die grossen Sendungen an einem Abstimmungssonntag höre. Aber sonst - nein, keine lange Zeit. Bloss die Kolleginnen und Kollegen aus dem Nachrichtenteam, die vermisse ich manchmal schon.» Hin und wieder treffe man sich, ab und zu gebe es ein Feierabendbier - natürlich in Worb. Hanns Fuchs |
IM PROFILBier auch im WinterMAX EGGER (48)
«Jetzt, im Winter, haben wir eine relativ ruhige Phase. Es wird zwar Bier gebraut, aber viel weniger als in der warmen Zeit. Es dauert zwei Monate, bis das Bier in der Flasche ist, deshalb kann die Produktion nicht gestoppt werden. Wir hoffen auf einen guten Frühling mit ersten Gartenfesten - Grillieren gibt Durst.» *«In der Brauerei habe ich als Braumeister vor allem Kontrollfunktion. Ich bin auch für den Einkauf der Rohstoffe und die Rezepturen zuständig. Es kommt aber selten vor, dass ich ein neues Bier entwerfe. Denn bei einer neuen Kreation muss wirklich ein Unterschied im Geschmack zu merken sein.» *«Hier in unserer Brauerei halten wir noch richtige Brauereipferde, mit denen wir täglich Bier ausführen. Für mich gehören Pferde einfach zu einer Brauerei. Wir haben Schwarzwälder, das sind kräftige, temperamentvolle Tiere. Gestern haben wir sie sogar eingespannt, um ein neues Stromkabel zu ziehen, das in den Boden verlegt wurde.» *«Das Ansehen des Biers hat sich verändert, in den letzten Jahren verlor Bier sein Büezer-Image. Seit Jahrzehnten wird versucht, Frauen vermehrt zum Biergenuss zu animieren. Ich empfehle den Damen jeweils unser Zwickel-Bier, da es viel Hefe enthält. Das wirkt blutreinigend und gibt einen feinen Teint. Auch Honigbier wird von Frauen geschätzt, es ist süsser im Geschmack.» *«Das Klischee, dass zu einem Bier Fussball und Chips gehören, entspricht schon ein wenig der Realität. Doch dass Bier dick macht, stimmt nicht: Es fördert den Appetit, und wenn vor dem TV Chips und Salznüssli verschlungen werden, ist dann halt ein Bierbauch die Folge. In vernünftigem Mass getrunken, ist Bier sogar gesundheitsfördernd.» *«Ich trinke jeden Tag einen halben bis einen Liter Bier; bei mir ist es ein Zeichen von Krankheit, wenn ich keines mehr trinken mag. Während der Arbeitszeit trinke ich jedoch gar nichts. Abends lasse ich den Tag mit meiner Frau bei einem Bier Revue passieren. Das gehört bei uns dazu wie das Amen in der Kirche. Wir trinken meistens ,Maximus`, ein helles, leichtes Bier. An Ostern und Weihnachten geniessen wir ein Bockbier. Bier hat eine beruhigende Wirkung, es ist angenehmer einzunehmen als Schlaftabletten.» *«Das Trinkverhalten im Allgemeinen hat sich verändert, vor zehn Jahren sah man am Mittag noch öfter jemanden ein Bier trinken. Wein ist eher ein Prestigegetränk, das zu einem schönen Essen dazugehört. Spirituosen werden vermehrt auch von Jugendlichen getrunken, diese sprechen aber auch auf Modegetränke an.» GESPRÄCH: DOMINIQUE EVA RAST |
Lucia Probst Nach und nach kommen auch Nicole, Amos, Benedict, Samuel, Ideon (Name geändert) und Lorana von
der Schule nach Hause, während der Älteste von allen, der 18-jährige Ruben noch Ferien hat. Ausnahmsweise ist auch Vater Niklaus, der am Stadtberner Neufeld-Gymnasium Physik unterrichtet,
zum Mittagessen da. Wenn bei Gfellers alle zu Hause sind, sitzen zehn Personen am Familientisch: Vater und
Mutter Gfeller, ihre fünf eigenen Kinder sowie die drei Pflegekinder Michi, Nicole und Samuel. Die 8-jährige Nicole und ihr fünfeinhalbjähriger Bruder Michi kamen vor ziemlich genau einem
Jahr als Pflegekinder nach Rüfenacht. Ihr allein erziehender Vater konnte die Betreuungsaufgaben nicht mehr
übernehmen. Anfang Sommerferien sei von der Pflegekinder-Aktion die Anfrage gekommen, ob sie die beiden Kinder
bei sich aufnehmen möchten, blickt Niklaus Gfeller zurück. Nicole und Michi machten für zwei Tage einen Schnupperbesuch, dem der Umzug nach Rüfenacht
folgte. «Als Erstes machten wir eine Kissenschlacht», erinnert sich Nicole heute an ihren Einzug. Für die
Abc-Schützin stand sogleich der erste Schultag an. Nicht zuletzt wegen der bevorstehenden Einschulung habe
damals alles so schnell gehen müssen, erklärt Niklaus Gfeller und meint: «Nicole ist ein sehr aufgestelltes
und lebendiges Kind. Sie fand sich trotz allem rasch gut zurecht.» Auch Michi hat sich inzwischen gut eingelebt. Seit einer Woche besucht er in Vielbringen das
erste Kindergartenjahr. Und er geht gerne hin, Anne-Sophie und Pascal kannte er schon, und die Geschichte vom
kleinen Tigerli, das ein Velo geschenkt erhielt, hat ihm an diesem Morgen auch gut gefallen. Die Wochenenden verbringen Nicole und Michi jeweils bei ihrem leiblichen Vater, und in den
Sommerferien waren beide für drei Wochen bei ihm. Schon viel länger als Michi und Nicole wohnt Samuel bei den Gfellers - er kam im Herbst 1996
als zehn Monate altes Baby nach Rüfenacht. Bis vor einem Jahr kehrte auch er nur an den Wochenenden zu seiner
Mutter zurück. Jetzt ist er noch tagsüber bei den Gfellers und übernachtet einmal pro Woche. Ansonsten ist
er bei seiner Mutter. Angefangen hat alles mit einem Ferienkind aus Deutschland, das jeweils im Sommer für fünf
Wochen bei den Gfellers zu Besuch war. Das brachte Brigitte und Niklaus Gfeller schliesslich auf den Gedanken,
ein Pflegekind in ihre Familie aufzunehmen. Brigitte Gfeller schlug das Telefonbuch auf und stiess auf die
Pflegekinder-Aktion Bern. Vor fünf Jahren besuchten sie einen dreitägigen Vorbereitungskurs für Pflegeeltern
und meldeten sich als Pflegeeltern an. Das Verhältnis zwischen den eigenen und den Pflegekindern ist nicht immer unproblematisch:
«Das Baby haben unsere Kinder damals gut aufgenommen. Nicole und Michi waren schon grösser und brachten mehr
Eigenheiten mit, doch inzwischen sind sie voll integriert», erzählt Brigitte Gfeller. Als ausnehmend gut bezeichnen die Pflegeeltern ihr Verhältnis zu den leiblichen Eltern.
Darüber sind beide sehr froh, denn das sei bei weitem nicht immer so, erzählt Niklaus Gfeller von
Erfahrungen, die ihm andere Pflegeeltern schilderten.
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IM PROFILAufgeweckt im PostautoRUEDI KREBS (45)
«Früher bin ich Lastwagen gefahren und war wochenlang im Ausland. Doch seit ich eine Familie habe, fahre ich Postauto, denn es ist mir wichtig, jeden Abend zuhause zu sein. Ich muss nun vorsichtiger fahren als früher und zum Beispiel aufpassen, dass es die Kinderwagen in den Kurven nicht zu sehr herumschüttelt.» «Auch wenn es hin und wieder schwierige Fahrgäste gibt, gefällt mir mein Beruf. Manchmal macht es mir Mühe, wenn die Leute meinen Gruss nicht erwidern oder sich nicht verabschieden. Je näher ich der Stadt komme, desto anonymer wird es. Ich kann damit umgehen, aber es stellt mich schon auf, wenn sich jemand beim Aussteigen bedankt oder mir einen schönen Tag wünscht.» «Viele Leute kenne ich und weiss, ob sie ein ,Bäre-Abi` haben oder nicht. Ich habe auch schon ein Auge zugedrückt, wenn es jemand vergessen hat. Es gilt, einen Mittelweg zu finden, nicht stur und trotzdem korrekt zu sein.» «Die Route von Bern über den Frienisberg nach Aarberg fahre ich besonders gerne. Im Winter stellt diese Strecke eine besondere Herausforderung dar, vor allem, wenn Schnee liegt. Manchmal muss ich Ketten montieren. Da haben die Fahrgäste dann Verständnis, wenn ich nicht ganz pünktlich am Ziel ankomme. Sonst reagieren sie manchmal unfreundlich. Es ist nicht immer einfach, den Fahrplan einzuhalten, auch wegen der Anschlüsse auf andere Linien. Mir macht dieser Druck noch nicht viel aus. Doch ich kenne Kollegen, die damit Mühe haben.» «Auf dem Frienisberg gibt es ein Altersheim. Die älteren Menschen setzen sich oft vorne rechts in den Wagen, um ein bisschen mit mir plaudern zu können. Ich habe auch schon einem älteren Herrn Handschuhe aus unseren nicht abgeholten Fundsachen geschenkt. Wenn ich am Wochenende spät abends fahre, kommt es vor, dass Leute einnicken. Aber ich kenne ja viele meiner Kunden und weiss etwa, wo sie jeweils aussteigen. So wecke ich sie dann und frage nach, ob sie nicht aussteigen müssten.» «Die Arbeitszeiten sind unregelmässig, aber ich habe mich daran gewöhnt. Am liebsten habe ich Frühdienste, denn es fällt mir leicht, schon um vier Uhr aufzustehen. Für meine Familie gehört es einfach dazu, dass ich Schicht arbeite. Wenn eine Schicht ganz ungünstig liegt, kann ich sie auch abtauschen. Denn wir Chauffeure haben es gut untereinander. Wir haben auch sehr tolerante und korrekte Chefs. Das Abtauschen ist für mich praktisch, wenn ich an einen Lauf will, denn in meiner Freizeit halte ich mich mit Joggen fit und bestreite auch Marathon und Waffenläufe.» GESPRÄCH: DOMINIQUE EVA RAST |
Der lange Weg zur FormDer Worber Thomas Liebe ist ein international anerkannter Industrie-Designer. Er hat Milch und Kaffeerahm die richtige Form gegeben.Matthias Engel
Und so öffnet die Nachbarin die kleine Flasche und hält sie über die Tasse. Heraus tropft Rahm - doch wegen dem verkrusteten Ausguss fallen auch vertrocknete Brocken in den Kaffee. Frau Burger verwirft die Hände: «Es tut mir leid, das nächste Mal gehen wir wieder ins Café.» Damit es solche Pannen beim gemeinsamen Kaffee künftig nicht mehr gibt, tüftelt der Worber Thomas Liebe seit Jahren an möglichst idealen Formen für Gegenstände des alltäglichen Bedarfs wie Bonbondöschen, Transportpaketen oder eben Kaffeerahm- und Milchflaschen herum. Meist im Auftrag von grossen Unternehmen gestaltet der Industriedesigner, so seine Berufsbezeichnung, möglichst kunden- und produzentenfreundliche Produkte. Ein modernes Aussehen ist dabei jeweils auch wünschenswert, kommt aber erst an zweiter Stelle. Seine Tätigkeit erfolgt meist in enger Zusammenarbeit mit den übrigen am Produktions- und Vertriebsprozess Beteiligten, also zum Beispiel Ingenieuren oder Marketingfachleuten. Sinn für Ästhetik, Ergonomie und viel Kreativität, aber auch ein Blick für das Machbare und insbesondere das Finanzierbare sind unabdingbare Voraussetzungen für einen erfolgreichen Industrie-Designer. Eigene FirmaThomas Liebe scheint all diese Vorgaben zu erfüllen, denn nur wenige Jahre nachdem er sich selbständig gemacht hat indem er 1996 den Ein-Mann-Betrieb Ad Rem Design AG gründete, ist er mit Erfolg international als Industriedesigner tätig. Schon fast unzählige Male hat Thomas Liebe mit seinen Verpackungsideen Preise wie den Swissstar gewonnen. Doch so sehr er Auszeichnungen schätzt, die wahren Erfolge sind dann, wenn sich ein entworfenes Produkt auf dem Markt durchsetzt. Tropffreier KofferraumSo wie die Kaffeerahmflasche, die er 1997 im Auftrag der Aargauer Zentralmolkerei entwickelt hat. Er war dabei wohl der erste Industriedesigner, der aktiv Hintergrundwissen sammelte. Schliesslich mussten viele Punkte beachtet werden, als der Entwurf zweier Flaschen mit den Füllmengen 2,5 Deziliter und 5 Deziliter gefordert wurde. Die Form musste eigen, der Rahm musste tropffrei auszugiessen, die bestehenden Ressourcen in der Produktion weiter verwendbar und der Transport möglichst mit wenig Energieaufwand möglich sein. Thomas Liebe setzte sich ausführlich mit dem Produktionsablauf auseinander, ging mit einem Messband durch die Fabrikationshalle, kletterte in den Anlagen herum, sprach mit allen, die an der Produktion oder dem Vertrieb der Flaschen beteiligt waren. Schliesslich fiel der Entscheid, die erste Leichtglasflasche zu lancieren. Nun galt es, die einzelnen Flächen und Punkte aufeinander abzustimmen, den optimalen Durchmesser zu bestimmen und vor allem eine Mündung zu kreieren, die ein möglichst schnelles Rahmausgiessen ohne Abtropfen ermöglicht. Lange tüftelte Thomas Liebe - mit grossem Erfolg, noch immer ist die Kaffeerahmflasche gefragt im Verkauf, dass Design wirkt dabei bei aller Konzentration auf die optimale Nutzung immer noch zeitgemäss. MilchflaschenGanz schön frech wirken auch die Formen der neuen PE-Flaschenfamilie, in der seit wenigen Monaten die Milchprodukte der Aargauer Zentralmolkerei in den Regalen stehen. Auch hier war Thomas Liebe der Entwickler. Ob die Fläschchen und Flaschen nun 0,2 oder 1,5 Liter fassen, durch ihre Kegelform, die Rippenstruktur und die stets gleich grossen Deckel und Öffnungen haben sie eine gemeinsame, stets wiedererkennbare Form. Diese bringt auch weiteren Nutzen, kann doch dank der Rippenstruktur 25 Prozent Material gespart werden. Die stabile Form lässt sich nach Gebrauch auch spielend leicht zusammenquetschen, die Abfallmenge wird geringer. Das Öffnen der Flasche ist äusserst kundenfreundlich. Schnell ist der Deckel ab, die Alufolie, die Schutz vor Licht und Sauerstoff bietet, lässt sich spielend leicht abreissen. Die Abrisskante, die zum Vorschein kommt, ermöglicht gleichzeitig ein tropffreies Ausgiessen und problemloses Trinken. Und schliesslich lässt sich die Flasche wieder verschliessen und in den Kühlschrank stellen. Zweieinhalb Jahre arbeitete Thomas Liebe an diesem Mehrfachprojekt. Auch hier: ein Erfolg. Nächste ProjekteThomas Liebe perfektioniert aber nicht nur all die entscheidenden Zutaten für die Kaffeekränzchen von Frau Burger und vielen anderen. Weitere Projekte drehen sich zum Beispiel um Bonbons und Pakete. So hat er gemeinsam mit Hoffmann Neopac eine Dose entwickelt, die sich nur mit einer Hand öffnen lässt. Ein Klick mit Wirkung, in Dänemark ist diese neue Verpackung bereits erfolgreich lanciert. Daneben will Thomas Liebe mit der sogenannten «No box» die Welt der Transportverpackungen revolutionieren. Die Box besteht zwar, wie zahlreiche andere Verpackungen auch, aus Schaumstoffelementen und Wellkarton. Der Karton ist dabei aber nicht als komplette Box ausgebildet, sondern auf das funktional Notwendige reduziert. Als Kartonmanschette hält er die Schaumstoffhälften zusammen. Frech und umweltbewusst das ganze. Und wenn es nach Thomas Liebe geht, vielleicht schon bald bei den Poststellen erhältlich. Bei so viel guten Ideen für unsere kleinen Alltagsproblemchen sollte man Thomas Liebe doch direkt ein (Kaffee-) Kränzchen widmen. Frau Burger und ihre Freundinnen wären sicher sofort dabei. |
IM PROFILSein eigener Chef seinRES REINHARD (35)aus Biglen hat zwölf Jahre lang auf der Gemeindeverwaltung in Worb gearbeitet und war dort unter anderem für den Internetauftritt verantwortlich. Ende Mai hat er sich selbständig gemacht und «Reinhard's OIK Services» gegründet.
«Natürlich macht mir und meiner Familie die Unsicherheit, die mit meiner neuen Arbeit verbunden ist, zu schaffen. Meine Frau war, als ich mich selbständig gemacht habe, eher skeptisch. Das hat mir aber gut getan, so bin ich mit den Füssen am Boden geblieben. Mittlerweile ist ihr Optimismus gewachsen. Auch Freunde haben sich gewundert, dass ich einen scheinbar sicheren Arbeitsplatz verlassen habe. Aber ich wollte mich dieser neuen Herausforderung stellen. Sie bringt zusätzlich zur Verantwortung für die Familie auch Verantwortung gegenüber den Angestellten mit sich. Es ist eine spezielle Anforderung, herauszufinden, wie viele Leute und wen ich anstelle. Zurzeit arbeitet eine langjährige Bekannte an zwei Vormittagen pro Woche als Sekretärin bei mir. Im August beginnt zusätzlich ein Absolvent der Handelsschule mit einem 80-Prozent-Pensum. Von ihm erhoffe ich mir Entlastung, denn im Herbst möchte ich eine Woche Ferien machen. Das ist jetzt gar nicht mehr so einfach zu organisieren wie früher.» «Meine Arbeit in den zentralen Diensten in der Verwaltung von Worb hatte auch ihre guten Seiten. Nachdem ich die Homepage der Gemeinde aufgeschaltet hatte, konnte ich überprüfen, wie stark die Seiten besucht wurden, und somit direkt den Erfolg meiner Arbeit messen. Das ist vielleicht die grösste Faszination an meiner gegenwärtigen selbständigen Tätigkeit: Ich kann den Erfolg meiner Arbeit direkt überprüfen und bestimme den Lohn durch meine Leistung selber. » «Im Gegensatz zu anderen Firmen liefern wir unseren Kunden nicht nur die Homepage, sondern bewirtschaften sie auch. Viele Firmen und Gemeinden verfügen heute über einen Internetauftritt, haben aber nicht genügend Know-how oder Zeit, diesen zu aktualisieren. Diese Seiten werden dann einfach nicht mehr genutzt. » « Rückblickend bin ich sehr zufrieden mit den letzten beiden Monaten. Ich habe nun jene Freiheit, die ich mir wünschte. Ich würde wieder so entscheiden, obwohl die Hürden für eine Firmengründung recht hoch sind. Der ganze Papierkrieg ist noch nicht beendet, ich hatte bisher einfach keine Zeit, alles zu erledigen, obwohl meine Arbeitsbelastung nicht unbedingt grösser ist als früher. Ich war immer schon ein engagierter Berufsmann.» GESPRACH: DURI BEER |
Seit 1959 bildet er an der Uni nicht nur Chemiker sondern auch Pharmazeuten und Mediziner ausChemie-Professor Paul Schindler 60jährigHeute Samstag feiert Paul Schindler, Ordinarius für anorganische Chemie, seinen 60. Geburtstag. Paul Schindler absolvierte das Studium der Chemie an der Universität Bern und promovierte daselbst mit einer Dissertation über basische Salze bei Professor Walter Feitknecht zum Dr. phil. nat. In der Folge war er als Oberassistent am Institut für anorganische, analytische und physikalische Chemie der Universität Bern tätig und betreute, ab 1959 als Lektor, das Praktikum der Medizinstudenten in anorganischer und analytischer Chemie. Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt am Karolinska Institut in Schweden bei Lars Gunnar Sillén, einem der Pioniere der Chemie in wässrigen Systemen, begann seine intensive Beschäftigung mit den Oberflächenphänomenen, die bei der Auflösung eines festen Stoffes in einer wässrigen Lösung stattfinden. Entsprechend handelte denn auch seine 1962 verfasste Habilitationsschrift von Lösungsgleichgewichten in wässrigen Systemen. Nach dem frühen Tod von Professor Wilhelm Buser im Jahr 1961 musste Paul Schindler innert kürzester Zeit die gesamte Ausbildung in analytischer Chemie für Studierende der Chemie, der Pharmazie und anderer Naturwissenschaften übernehmen. Nach einem einjährigen Weiterbildungsaufenthalt am National Bureau of Standards in Washington erfolgte 1966 seine Beförderung zum ausserordentlichen Professor und 1970 zum Ordinarius. Weitere Ausbildungsaufenthalte erfolgten im Sommersemester 1974 an der ETH in Zürich sowie im Wintersemester 1981/82 in Japan und Australien. Das Forschungsgebiet Paul Schindlers erstreckt sich von Untersuchungen zur Löslichkeit eines Stoffes, die auf den ersten Blick vielleicht bloss von theoretischem Interesse zu sein scheinen, über die mineralische Verwitterung, die ja auch eine Auflösung fester Stoffe in wässriger Lösung darstellt, bis hin zur Chemie in Gewässern und zu Problemen der Bodenchemie. Es gelang ihm damit vorzüglich, theoretische Ansätze auf praxisnahe Probleme zu beziehen, die gerade in unserer, der Umwelt vermehrt Beachtung schenkenden Zeit von grosser Aktualität und Tragweite sind. In den Jahren 1975 und 1976 stand Paul Schindler der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät als Dekan vor. Von 1981-1985 amtierte er als Direktor des Instituts für anorganische, analytische und physikalische Chemie. Ferner war er während vieler Jahre Mitglied des Vorstands der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft und in den Jahren 1975-1977 deren Präsident. Zeit seines Wirkens an der Universität Bern beteiligte sich Paul Schindler intensiv an der Ausbildung der Medizinstudenten im Fach Chemie, sei es mit dem Chemie-Praktikum für Mediziner oder in Form der in all den Jahre gehaltenen Hauptvorlesung über anorganische Chemie. So werden sich denn neben der Vielzahl von Kollegen und ehemaligen Schülern auch viele ehemalige Medizinstudenten meinen herzlichen Glückwünschen zum Geburtstag anschliessen. Prof. Walter Riesen |
Berner Landbote, 22. Februar 2001 «Ig bi mit em Härz bir Sach!»Helga Schneiter aus Worb spielt Eishockey in der Schweizer Damennationalmannschaft. Doch das Fraueneishockey steckt in der Schweiz noch in den Kinderschuhen.Marc Bächler
Verpasste ChancenVorletztes Wochenende fand in Engelberg die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Salt Lake City statt. Leider hat es nicht geklappt. Zwar begannen die Schweizerinnen stark und bezwangen den späteren Sieger Kasachstan mit 7:1 Toren, doch konnte man diese Form nicht für die nächsten Spiele beibehalten. Helga Schneiter hat schon einige Rückschläge einstecken müssen. So wurde sie noch nie für eine Weltmeisterschaft aufgeboten, obwohl sie schon lange in der Nationalmannschaft spielt. Ein Aufgebot ist natürlich nicht selbstverständlich. Doch Helga Schneiter trauert den verpassten Chancen trotzdem etwas nach. «Ich bin mit ganzem Herzen beim Eishockey. Als ich nicht an die WM in Kanada konnte, brach für mich eine Welt zusammen.» Ein weiteres Problem sei die geringe Unterstützung die Dameneishockey in der Schweiz erfahre, auch wenn sich das in der letzten Zeit stark verbessert habe. Doch Helga Schneiter ist mit ihren 21 Jahren noch jung und übertriebene Zukunftspläne hat sie nicht. Klar würde sie gerne in Kanada oder Schweden spielen. Sie ist aber realistisch genug, um sich nicht von Träumereien hinreissen zu lassen. Im Moment spielt sie in der NLA bei Reinach, wo es ihr gut gefällt. Schule-Training-SchlafenHelga Schneiter besucht das Gymnasium in Bern. Im Sommer wird sie dieses mit der Matura beenden. Gerne hätte sie das Sportgymnasium besucht, um mehr Zeit für das Training zu haben, doch dies war finanziell nicht möglich. So muss sie versuchen, Sport und Schule unter einen Hut zu bringen. «Wenn ich unter der Woche ein Spiel habe, kann es schon vorkommen, dass ich erst um drei Uhr morgens zum Schlafen komme.» Doch Angst, die Matura nicht zu schaffen, hat Helga Schneiter nicht. Sie ist überzeugt, die Doppelbelastung zu überstehen. Nach der Matura möchte sie gerne studieren. An der Universität Bern hat sie sich für Biologie angemeldet. Um für eventuelle Abenteuer gut vorbereitet zu sein, will sie sich nicht nur auf den Sport konzentrieren. |
Neuer Stabschef der StadtpolizeiErnst Sigristskb. Der neue Stabschef und Chef Stabsabteilung der Stadtpolizei Bern heisst Ernst Sigrist. Der 47jährige war bisher Chef des Sicherheitsdienstes der Bundesverwaltung und tritt die Nachfolge Charles Raedersdorfs an.Ernst Sigrist ist dem Polizeikorps nicht unbekannt: Der diplomierte Ing. HTL hatte bereits von 1968 bis 1982 als Kommissär und später als Chef der Verkehrsabteilung bei der Berner Stadtpolizei gearbeitet. In der Folge trat er zur Bundesverwaltung über und übernahm nach der Wahl von Christoph Hoffmann zum Kommandanten der Stadtpolizei an dessen Stelle die Leitung des Sicherheitsdiensts, die er noch bis Ende Jahr innehat. In der Armee war Sigrist Adjutant eines Flabregiments. Als Stabschef hat Polizeimajor Ernst Sigrist die Planung und Koordination des Polizeikorps zu leiten. Zudem wird er die Stabsabteilung führen. Der bisherige Stabschef und Chef Stabsabteilung der Stadtpolizei, Charles Raedersdorf, ist ab 1. November Delegierter für Katastrophenhilfe im Ausland und Chef der Abteilung für Humanitäre Hilfe im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten. |
Mobil in seinen vier WändenMichel Steiner ist seit seiner Geburt auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch statt im Heim wohnt er in einer eigenen Zweizimmerwohnung in Worb. Konzerte und der SCB sind seine Hobbys.Sandra Rutschi
Zu wenig SauerstoffNebst dem SCB sind Rockkonzerte Steiners grosse Leidenschaft. Und dies, obschon er auf den Rollstuhl angewiesen ist. Bei seiner Geburt hat der heute 32-Jährige zu wenig Sauerstoff erhalten und kann deshalb seine Beine nicht benutzen. Geistige Behinderungen trug Steiner allerdings nicht davon. «In der Sonderschule für Körperbehinderte in Wetzikon fühlte ich mich zu wenig gefordert und wurde deswegen wohl etwas faul», erinnert er sich. Eigentlich hätte er gerne die Sekundarschule in einem Nachbardorf seines Heimatdorfs St. Gallenkappel im Kanton St. Gallen absolviert. «Doch der Schulrat wollte nicht, obschon ich ausser beim Turnunterricht überall hätte mitmachen können», sagt Steiner. Auch ein Lift habe in der Schule gefehlt; einen einzubauen sei damals als zu viel Aufwand empfunden worden. Machte ihn das nicht wütend? «Nein, ich habe mich nie über solche Sachen aufgeregt, das bringt ja nichts. Meine Eltern hingegen waren sehr enttäuscht», blickt er zurück. Sie wünschten sich, dass ihr Sohn mehr Kontakt zu gleichaltrigen Nichtbehinderten aus dem Dorf hätte pflegen können. Um ihn trotzdem zu integrieren, schickten sie ihn in Sommerlager der evangelischen Kirche mit. Beruflich weiterbildenNach einem zehnten Schuljahr begann Michel Steiner die Bürolehre. Die vierjährige Ausbildung wurde für körperlich Behinderte nur im Rossfeld angeboten, und deshalb zog Steiner 1987 nach Bern. Noch heute arbeitet er zu 65 Prozent im Bürozentrum Rossfeld als Buchhalter in der Adressverwaltung. «Dort bin ich am meisten gefordert und verstehe mich sehr gut mit meinen Arbeitskollegen», so Steiner. Trotzdem würde er sich gerne beruflich neu orientieren, einen Beruf ausüben, in dem auch seine Hobbys Sport und Musik nicht zu kurz kämen. Doch es sei schwierig, etwas Geeignetes zu finden. Freier als im HeimWährend seiner Lehre wohnte Michel Steiner drei Jahre im Internat Rossfeld. Weil nicht absehbar war, dass er einmal alleine wohnen oder die Stelle im Rossfeld aufgeben würde, wurde er ins Wohnheim verlegt. «Eigentlich hat es mir im Internat besser gefallen. Der Gruppenzusammenhalt war stärker, und das Personal wechselte nicht ständig», sagt Steiner. Trotzdem wohnte er drei weitere Jahre im Wohnheim, bis seine damalige Freundin ebenfalls im Rossfeld die Lehre abgeschlossen hatte. Dann zogen sie aus. Steiners Freundin, zwar gehbehindert, aber nicht auf den Rollstuhl angewiesen, betreute ihn voll. Drei Jahre wohnte er gemeinsam mit ihr, nach der Trennung ein weiteres Jahr am Eigerplatz. Seit sechs Jahren in WorbBereits als die beiden noch zusammen waren, erzählten ihnen Bekannte von einem Haus in Worb: Alle Wohnungen würden rollstuhlgängig sein, aber auch Nichtbehinderte sollten dort wohnen dürfen. «Sie wollten die Begegnung und das Zusammenleben von Behinderten und Nichtbehinderten bewusst fördern. Die Idee gefiel mir», sagt Michel Steiner. Und sie setzte sich auch durch: Im Haus wohnen fünfzig Prozent Nichtbehinderte. Seit sechs Jahren wohnt Michel Steiner in Worb. Morgens, nach Feierabend und abends wird er von der Spitex betreut, mit dem Betax (Behindertentaxi) geht er zur Arbeit. Bei Notfällen wäre eine Betreuung innerhalb einer Viertelstunde bei ihm zu Hause. «Ich fühle mich sehr wohl hier», so Steiner. Im Heim sei die Kontrolle strenger gewesen, und das Privatleben habe dort gelitten. «Ich werde hier mehr als die Person akzeptiert, die ich bin.» |
Neuer Gemeindeleiter für St. Martin WorbEine offene Kirche als Ort der BegegnungUrs Stierli-Fürst heisst der neue Pfarreileiter für die katholische Bevölkerung der Gemeinden Worb und Vechigen. Am vergangenen Sonntag wurde er in der Kirche St. Martin von Regierungsstatthalter Hermann Kirchhofer und Co-Dekan Karl Graf feierlich in sein Amt eingesetzt. Urs Stierli wünscht sich die Kirche in Worb als ein offenes Haus, in dem sich die Menschen begegnen und wohlfühlen.
Arbeit im TeamWorb erfüllt all jene Bedingungen, welche Urs Stierli-Fürst mit einem allfälligen Stellenwechsel verknüpfte. «Ich wollte in eine neue Region aufbrechen an einen Ort, der stadtnah gelegen ist.» Und auch den dritten Wunsch konnte ihm die Pfarrei St. Martin erfüllen: Stierli führt sein Amt nicht alleine, sondern in Zusammenarbeit mit seiner Kollegin Eugénie Lang Ruf. Faszinierender KirchenbauDer neu installierte Gemeindeleiter hat sich aber nicht nur aus diesen Gründen für Worb entschieden. «Ich war schön beim ersten Besuch fasziniert vom unkonventionellen Bau der Kirche St. Martin.» Stierli spricht gar von einem richtiggehenden «Aha-Erlebnis» und sinniert: «Der Blick vom Kirchenraum hinaus aufs Kreuz jenseits des Wassers weckt in mir das Gefühl des Unendlichen und schenkt mir gleichzeitig Hoffnung, dass es auch auf der anderen Seite unseres Daseins noch etwas gibt.» Auf die dominierende weisse Farbe angesprochen, meint der neue Pfarreileiter: «Gerade diese farblose Helligkeit des kirchlichen Zentrums macht es den Menschen möglich, ihre eigenen bunten Tupfer anzubringen.» Für eine PartnerschaftUrs Stierli ist seit zwei Jahren mit Cornelia Fürst verheiratet. Er hat sich bewusst für eine Partnerschaft entschieden und dafür auf die Priesterweihe verzichtet. Er sei nicht grundsätzlich gegen das Zölibat, betont der Pastoralassistent, «aber ich befürworte eine Erweiterung der Zulassungsbedingungen für das Priesteramt». Im Klartext: Männer und Frauen sollten laut Stierli aufgrund ihrer Berufung - auch ohne Zwang zur Ehelosigkeit zum Priester/zur Priesterin gewählt werden können. Menschen und Gott begegnenViel wichtiger als die Frage, ob Priester oder Pastoralassistent, ist für Urs Stierli die Freude an seiner neuen Aufgabe. «Ich bin gerne mit Menschen zusammen und möchte mit ihnen unterwegs auch Gott begegnen.» Er sei sich dabei bewusst, so der Gemeindeleiter, dass man die schönen Momente viel leichter als Gott gewollt hinnehmen könne als Schicksalsschläge oder Lebenskrisen. «Trotzdem ist es gut zu wissen, dass es zwar auf uns Menschen ankommt, aber nicht alles von uns alleine abhängt.» Mit den Leuten redenUrs Stierli-Fürst wünscht sich das kirchliche Zentrum als ein Ort, «wo die Menschen gerne hingehen, wo sie spüren, dass sie als Persönlichkeit ernstgenommen werden». Seine Kollegin Eugénie Lang Ruf und er seien bereit, mit den Leuten über Gott und die Welt zu reden. Auch kritische Gedanken müssten in solchen Gesprächen Platz haben. Es bringe nichts, so Stierli, sich gegenseitig nur auf die Schultern zu klopfen. St. Martin WorbDie 1998 errichtete Pfarrei St. Martin betreut rund 2300 Katholiken der politischen Gemeinden Worb und Vechigen. Als Nachfolger von Luisa Heislbetz - sie wechselte ins Personalamt des Bistums Basel - ist der 36-jährige Urs Stierli-Fürst installiert worden. Als Pfarreileiter erfüllt er die gleichen Pflichten wie ein Priester. Ausnahmen: Er darf keine Eucharistie feiern, keine Beichte hören und keine Krankensalbungen spenden. |
WorbNachruf Walter TrindlerAm 15. September ist Walter Trindler nach schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren verstorben. Auf Wunsch der Familie hat die Trauerfeier im engsten Kreis stattgefunden. Im Dezember 1972 wurde Walter Trindler von den Stimmberechtigten der Gemeinde Worb zum ersten vollamtlichen Gemeindepräsidenten gewählt. Zusammen mit dem vollamtlichen Gemeindepräsidium wurde ab 1. Januar 1973 auch das 40-köpfige Parlament, der Grosse Gemeinderat, eingeführt. Walter Trindlers Amtszeit fiel in eine Zeit des starken Wachstums von Worb. So wurde unter anderem Mitte der 70er-Jahre das Schulzentrum im Worbboden geplant und gebaut. Als Folge der starken Entwicklung der Gemeinde Worb mussten auch die Strukturen der Verwaltung den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Walter Trindler hat diese Anpassungen massgeblich und engagiert mitgeprägt. Auch auf der Ebene der kantonalen Politik war Trindler während Jahren aktiv. Von 1980 bis 1986 vertrat er die FDP im Grossen Rat des Kantons Bern. In dieser Zeit leitete er auch die FDP des Amtes Konolfingen als Präsident. Nachdem Walter Trindler in seiner letzten Amtszeit mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, verzichtete er im Jahre 1988, nach 16 Amtsjahren, auf eine Wiederwahl. Wir danken Walter Trindler für seine langjährige Tätigkeit im Dienste der Öffentlichkeit und sprechen den Angehörigen unser tiefempfundenes Beileid aus. Für den Gemeinderat Worb |
«Das hält den Geist frisch»Der als Worber «Behördenschreck» geltende Werner Tschaggelar wird heute 100 Jahre altSeinen 30-jährigen «Kampf» gegen die Behörden mag Werner Tschaggelar auch mit 100 nicht aufgeben - der nächste Brief ist schon aufgesetzt.CATHERINE ARBER «Tue recht, scheue niemand»Um sein Anliegen durchzusetzen, machte Tschaggelar die Worber Behörden halb wahnsinnig, schöpfte alle rechtlichen Möglichkeiten aus, und war gelegentlich auch in der Wahl seiner Mittel nicht gerade zimperlich. Etwa, als die Bundesanwaltschaft in seinem Chalet an der Bernstrasse aufkreuzte, weil er gegen einen Bundesrat Drohungen ausgestossen hatte. Seinen Karabiner und die zwei Schreibmaschinen hätten die Polizisten beschlagnahmt, erzählt er. Doch Tschaggelar wusste sich zu helfen: Er lieh sich von einem Freund eine alte Schreibmaschine aus und schrieb den Bundesbehörden, dass sie seine Maschinen ruhig noch ein wenig behalten dürften. Zu «Friedensgesprächen» bereitJeder Millimeter auf der Vorder- und auf der Rückseite des Blatts ist vollgeschrieben, und jetzt sitzt Werner Tschaggelar an seinem Stubentisch und tippt seine Notizen auf der kleinen Schreibmaschine ins Reine. Auch vorletzten Sonntag sass er wieder an seinem Stubentisch und schrieb dem Worber Gemeindepräsidenten einen Brief. Es war nicht der Erste. In sechzehn Bundesordnern hat er seine Korrespondenz mit den Behörden festgehalten, fein säuberlich nach Jahren aufgeteilt «Viele Briefe habe ich gar nie abgeschickt», sagt er. Wenn er wieder einmal wütend gewesen sei, habe er sich nachts hingesetzt und zum Kugelschreiber gegriffen - und dann wieder ruhig schlafen können. «Er hat zwei Naturen»«Er hat zwei Naturen», sagt Hanni Tschaggelar über ihren Ehemann. Da sei der Werner Tschaggelar mit seinem unermüdlichen «Kampf» gegen die Behörden. Und da sei der Werner Tschaggelar, der den Leuten gerne eine Freude mache. Zum Beispiel mit seiner Musik: Klarinette und Posaune spielt er, und manchmal, wenn das Ehepaar auswärts essen geht, steht er plötzlich auf und gibt dem Publikum ein Ständchen zum Besten - und der Kaffee wird dann offeriert. Werner Tschaggelar führts gleich vor, springt von seinem Stuhl am Stubentisch auf und setzt zu «Sag Dankeschön mit roten Rosen» an. Das Lied handle auch vom Nachgeben in der Ehe, erklärt er. BZ, 5. November 2007 WORB«Der Kampf gegen Behörden hat mich frisch gehalten»Werner Tschaggelar feiert heute in Worb seinen 100. Geburtstag. Im Ort ist Tschaggelar auch als Behördenschreck bekannt. Der Kampf gegen die Instanzen habe ihm geholfen, seinen Geist wach zu halten, sagt der Jubilar.
Der BehördenschreckDoch der Jubilar kann auch ganz andere Töne anschlagen: In Worb ist Werner Tschaggelar nämlich auch als Behördenschreck bekannt. Während 31 Jahren kämpfte er um die Zufahrtsregelung beim Sportweg und die Zufahrt zu seinem Haus gegen die Instanzen. Fünf Jahre AktivdienstEs gab jedoch auch weniger schöne Zeiten in Werner Tschaggelars Leben. «Die fünf Jahre im Aktivdienst waren eine schlimme Zeit», erinnert er sich. Vor allem für seine Frau Hanni war es hart. Sie war damals mit dem zweiten Kind schwanger und musste die Familie alleine durchbringen. Töff und «Deux Chevaux»Werner Tschaggelar war bis zu seinem 50. Lebensjahr begeisterter Töfffahrer. Dann stieg er vom Töff auf den Citroën 2CV um, mit dem er bis vor kurzem noch Ausflüge machte. «Jetzt darf ich nicht mehr fahren, dafür habe ich ein Steckmobil», erzählt Werner Tschaggelar von seinem neuen Elektromobil. «Ich bin sehr dankbar für das Zusammensein mit meiner Frau im eigenen Haus, es ist ein Geschenk von oben», sagt Werner Tschaggelar. |