<< Presseschau (Main) | << Gemeinde Worb | << Rüfenacht

Presseschau Worb/Rüfenacht und Umgebung

Diese Pressesschau ist unvollständig, unausgewogen und wird sporadisch ergänzt

Mix & Copyright: H.U. Steiner

Speaker's Corner Rüfenacht

BZ, 6. November 2000

RÜFENACHT

Zibelemärit mit politischem Anstrich

Am Rüfenachter «Zibele- und Flohmärit» boten die Ortsparteien ihre Kandidaten für die kommenden Wahlen an.

Pascal Schwendener

Wo Bauern Zwiebeln und Hausgemachtes unter die Leute bringen, da lässt sich am nettesten politisieren. Das muss sich auch die Rüfenachter Ortssektion SVP gedacht haben und lud am Wochenende zur überparteilichen Wahlveranstaltung an den Rüfenachter «Zibelemärit».

In der kleinen Arena vor dem Kirchgemeindehaus sahs mehr nach Flohmarkt denn nach Politveranstaltung aus. Zu kleinem Preis gabs Ramsch aus zweiter Hand: Gläsersätze für Einpersonenhaushalte, verbeulte Töpfe und Bücher ohne Ende. Die Politiker fand man in der hintersten Ecke des Plätzchens versteckt. Im Dunst der Frittenbude stand der «Speakers-Corner». Oben auf dem Podestchen standen Vertreterinnen und Vertreter der Ortsparteien und verkauften ihre nicht ganz neuen Programme. Vor dem Rednerpult stand - zahlenmässig etwa gleich stark vertreten - das Publikum.

Sieben Ortsparteien, ein Wahlspruch: «Wählt Rüfenacht», riefen die Redner unisono den Leuten zu. Topografisch throne Rüfenacht hoch über Worb. Politisch aber stehe das Dorf im Schatten der Muttergemeinde. Das müsse sich ändern. «Sieben Rüfenachter im Worber Parlament sind nicht genug. Damit das ändert, müssen alle wählen gehen», mahnten die Kandidaten. Aber ihre Voten drangen schon rein akustisch kaum zu den Zuhörern durch. Kaum jemand liess sich beim Einkauf, beim Schwatz und Glühwein nippen stören. Die Politiker in Worb unten machen ja doch was sie wollen.

Dabei versprachen die Rüfenachter Kandidaten sich fürs Dorf stark zu machen; für ein attraktives Dorfzentrum, für die Erschliessung der Aussenbezirke durch den Öffentlichen Verkehr und dafür, dass die Schule im Dorf bleibt. Das gehe aber nicht ohne die Stimmen der Rüfenachterinnen und Rüfenachter. Und das gehe nicht ohne deren Engagement, sagte etwa Heinz Utiger im Namen der Evangelischen Volkspartei: «Geht heim und sorgt dafür, dass die Schule nicht geschlossen werden muss.» Doch das Thema Verkehr interessierte und die Anwesenden blieben noch.

Heinz Burri, einer der Mitinitianten der ersten Rüfenachter Wahlveranstaltung, sprach auf dem «Speakers-Corner» das Schlusswort. Er habe unter den Anwesenden eine Umfrage gestartet und ein «erfreulich positives Echo» zum Anlass bekommen, sagte er. Jemand habe sogar angeregt; das Rüfenachter Wählfest gleich am «Zibelemärit» nächstes Jahr zu wiederholen.

Der Bund, Montag, 6. November 2000

Rüfenacht liegt auf dem Weg nach Worb

SPEAKERS' CORNER Mit sechs Abgeordneten ist Rüfenacht im Worber Parlament vertreten. Zuwenig, sind sich die Dorfparteien einig. Eine überparteiliche Wahlveranstaltung sollte die Rüfenachterinnen und Rüfenachter animieren, an den kommenden Worber Wahlen vom 26. November Kandidierende aus dem Dorf zu berücksichtigen.

IVO GEHRIGER

Lang gezogen liegt das Dorf Rüfenacht an der Worbstrasse, dem Weg in Richtung Gemeindehauptort Worb. Parallel zur schier endlosen geraden Strasse verläuft das Trassee des «Blauen Bähnli», der Worb-Linie des RBS, die vom Casinoplatz in Bern nach... Worb führt. Rüfenacht, ein Ort zum Durchreisen? Rüfenacht, ein Ort auf dem Weg?

Doch nicht nur verkehrstechnisch ist Worb in Rüfenacht omnipräsent. Nein, auch politisch hat der Hauptort das Sagen. Gerade mal sechs Parlamentarier schickt Rüfenacht in den 40-köpfigen Grossen Gemeinderat nach Worb. Unverhältnismässig wenig, belegt die Statistik: Mit einer Bevölkerung von 3441 Personen hätte das Dorf in der 10890 Einwohner zahlenden Gemeinde - proportional gesehen - Anrecht auf zwölf Sitze im Parlament. Genau genommen sogar auf 12,6. Weshalb also nur sechs Sitze? Die Rüfenachter sind - und das belegt wiederum die Statistik - wahlfauler als andere Ortsteile, und man darf vermuten, dass die wenigen, die zur Urne gehen, nicht ausschliesslich dorfeigene Kandidaten wählen. Da liegt also der Hund begraben.

Den Ungereimtheiten im Wahlverhalten der Rüfenachter ist auch die lokale SVP auf die Schliche gekommen. Im Hinblick auf die Worber Wahlen vom 26. November hat die Partei prompt reagiert und sieben Rüfenachter Parteien zu einer überparteilichen Wahlveranstaltung geladen.

Am letzten Samstagmorgen war es soweit. Der Rüfenachter Zibelemärit gewährte den Kandidierenden Gastrecht (und sorgte wohl auch für ein angemessenes Publikum). Am «Speakers' Corner» hatten alle Parteien Gelegenheit, zu vier Themen je zwei Minuten Stellung zu nehmen. Parteimitglieder aus Worb wurden ins Publikum verbannt. In Rüfenacht hatten für einmal Vertreter aus Rüfenacht und dem ebenfalls gebeutelten Vielbringen das Sagen.

In ihren Voten zu den beiden Themen Verkehrserschliessung und Lärmschutzwände sowie Finanzen machten die Parteien ihren jeweiligen Ideologien alle Ehre. Eine Senkung des Steuerfusses sei auf längere Sicht unumgänglich, sagte Markus Bigler (svp). Für Paul Huber (cvp) und Jakob Kirchmeier (fdp) ist klar, dass die Gemeinde für Investoren unbedingt attraktiver werden muss. «Unsere Gemeinde hat einen guten Service public. Dafür zahlen wir gerne», konterte Hans Ulrich Steiner (gfl). Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist ein zentrales Anliegen Annette Gfellers (sp). Uneinigkeit herrschte zwischen den Parteien, wie viel Geld für die Ästhetik der Lärmschutzwände entlang der Worbstrasse ausgegeben werden dürfe.

Harmonischer sprachen die Kandidierenden zu den Themen Schulwesen und Zentrumsentwicklung. Rüfenacht müsse seine eigenständige Schule unbedingt behalten, waren sich die Parteien einig. «Ich möchte am liebsten sagen: Geht heim und schaut, dass Kinder da sind», sorgte sich Heinz Utiger (evp) zudem um den nötigen Nachwuchs. Rüfenacht, das weder Metzgerei noch Apotheke oder einen Bancomaten hat, brauche unbedingt ein Dorfzentrum, war von allen Kandidierenden zu hören. Worb habe sein Bärenzentrum, jetzt müsse in Rüfenacht investiert werden. «Dafür braucht es genügend Kräfte aus dem Dorf, die im Parlament etwas bewegen», sagte Ruth Bichsel (fww) stellvertretend für alle Parteien.

Bleibt zu hoffen, dass die 50-köpfige Zuhörerschaft die Botschaft der Kandidierenden auch in ihre Nachbarhäuser trägt. Denn nur so kann sie bewirken, dass Rüfenacht in drei Wochen nicht mehr nur auf dem Weg nach Worb liegt, sondern auch den Weg nach Worb geht.

Der Bund, 9. November 2000

GUGGERSHÖRNLI

Klarsicht, Weitsicht und Höhenluft tun gut. Doch die 64 Treppenstufen aufs Guggershörnli - hinauf zum Grossen Überblick® - sind steil. Hochgeklettert und runtergestolpert sind diese Woche:

Heinz Utiger

aus Rüfenacht macht seiner evangelischen Volkspartei hingegen alle Ehre: Offenbar hat er sich zum Ziel gesetzt, seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern biblische Inhalte in volkstümlicher Sprache näher zu bringen. «Ich möchte am liebsten sagen: Geht heim und schaut, dass Kinder da sind», rief er am «Speaker's Corner» den Rüfenachtern zu. Wir belohnen seine charmante Adaption von Genesis 1,28 - «seid fruchtbar und vermehret euch» - mit

+12 Stufen